Politik : US-Vorwahlkampf: Mit George Bush jr. zurück ins Weiße Haus

Robert von Rimscha

Nach zweitägigen Harmoniebeteuerungen sind die US-Republikaner am Mittwoch zum Angriff auf die Demokraten übergegangen. Vizepräsidentschaftskandidat Dick Cheney warf der Clinton-Gore-Regierung vor, für eine Ära der "vergeudeten Chancen" verantwortlich zu sein. Beim Wahlparteitag der Republikaner in Philadelphia verband Cheney die Annahme seiner Nominierung mit dem Aufruf, George W. Bush ins Weiße Haus zu entsenden, da dieser "aus Überzeugungen heraus, nicht aus Berechnung", führe.

Die Demokraten sprächen "endlos von Risiken, wir von Fortschritten. Sie werden Vorwürfe machen, wir Vorschläge. Sie werden Furcht säen, wir Hoffnung." Im heutigen Washington sei "Politik die Fortsetzung von Krieg mit anderen Mitteln". Diese Zeiten seien vorbei. Clinton und Gore "sind gemeinsam gekommen. Lasst sie uns zusammen nach Hause schicken", verlangte Cheney zu donnerndem Applaus der 2000 Delegierten.

Der ehemalige Verteidigungsminister von Präsident George Bush und frühere Stabschef von Präsident Gerald Ford, der sich am Donnerstag von zwei leichten Herzanfällen erholte, knüpfte zugleich an das Thema der Überparteilichkeit an und betonte, George W. Bush habe als Gouverneur von Texas bewiesen, dass er mit den Demokraten zusammenarbeiten könne. Am wichtigsten für eine Bush-Cheney-Regierung sei die Bildungspolitik, Steuersenkungen, die Rentenreform und die Stärkung des Militärs.

Am meisten Beifall erhielt Cheney immer dann, wenn er forderte, Anstand und Würde ins Weiße Haus zurückzuholen. Über Bill Clinton sagte Cheney: "Der Mann aus Hope kehrt zurück nach - äh - New York." Dort hatte Hillary vor einem halben Jahr ein Haus gekauft. Das Städtchen Hope in Arkansas ist Clintons Heimat. Sprechchöre "Clinton weg" unterbrachen Cheneys Auftritt mehrfach.

Cheney selbst war in der guten Woche seit der Bekanntgabe seines Namens als Mitstreiter von George W. Bush unter massiven Beschuss der Demokraten geraten. Deren Vorstand hat allein während der Republikaner-Convention Fernsehspots für 3,5 Millionen Dollar geschaltet, in denen die Voten des Abgeordneten Cheney aus den 80er Jahren angegriffen werden. Cheney hatte damals unter anderem gegen einen Passus des Wasserreinheitsgesetztes gestimmt und seine Zustimmung zu einer Resolution verweigert, die die Forderung nach härteren einseitigen Sanktionen gegen die Apartheid in Südafrika mit dem Aufruf verbunden hatte, Nelson Mandela sofort aus dem Gefängnis zu entlassen. Linke Demokraten wie der Bürgerrechtler Jesse Jackson lasten Cheney nun an, er sei für die Inhaftierung Mandelas gewesen.

27 demokratische Abgeordnete fahren derzeit als sogenannte "Wahrheitstruppe" im Bus durch Philadelphia und beschuldigen die Republikaner, "Betrug mit einem Zweck" zu betreiben. Am Donnerstagabend sollte der Parteitag mit der Rede von George W. Bush enden.

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