Politik : US-Wahl: Bush und Gore Kopf an Kopf

Robert von Rimscha

Mit Spannung haben die USA am Dienstag auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen gewartet. Letzten Umfragen zufolge lagen der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Al Gore nahezu gleichauf. Wer als Nachfolger Bill Clintons 43. Präsident der USA werden und im Januar ins Weiße Haus einziehen würde, war völlig offen. Beide Lager gaben sich optimistisch. Die Stimmung unter Bushs Unterstützern wirkte indes etwas zuversichtlicher als jene im Lager Gores. "Wir werden im Durchmarsch gewinnen", prognostizierte Bushs Chefstratege Karl Rove.

Bush war in der Nacht zu Dienstag nach Texas zurückgekehrt, wo er Gouverneur ist. Gore beendete am Dienstagmorgen einen 30-stündigen Wahlkampfmarathon und flog nach Nashville in seinem Heimatstaat Tennessee.

Die erste landesweite Voraussage der Nachrichtenagentur Reuters prognostizierte einen hauchdünnen Sieg Bushs mit 276 Stimmen im Wahlmännergremium - 270 Stimmen sind für die Präsidentschaft nötig. Wahlentscheidend war ein gutes Dutzend "Schaukelstaaten" - also US-Bundesstaaten, die keinem Lager fest zugerechnet werden können. Ersten Prognosen zufolge lagen Bush und Gore in Pennsylvania und Florida gleichauf. Für Michigan wurde auf der Grundlage der Befragung von Wählern nach der Stimmabgabe ein Vorsprung für Gore von drei Prozentpunkten prognostiziert. Die Bundesstaaten Ohio und Missouri sowie Clintons Heimatstaat Arkansas und Gores Heimatstaat Tennessee fallen diesen Prognosen zufolge an Bush. Im New Yorker Duell um den freien Senats-Sitz zwischen Hillary Clinton und Rick Lazio lag die First Lady mit acht Prozentpunkten Vorsprung in Führung.

Gut 70 Prozent jener US-Bürger, die im wahlfähigen Alter sind und nicht als illegale Einwanderer oder durch das Verbüßen von Haftstrafen am Ausüben des Wahlrechts gehindert sind, haben sich als Wähler registrieren lassen. Es wurde mit einer für die USA relativ hohen Wahlbeteiligung von über 50 Prozent gerechnet. Die Wähler in 50 Bundesstaaten bestimmten auch die Zusammensetzung beider Häuser des Kongresses. Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat machten sich die Demokraten Hoffnungen, die knappe Mehrheit der Republikaner zu brechen. Zusätzlich war über elf Gouverneure, Landesparlamente und Referenden zu entscheiden.

Der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, könnte Umfragen zufolge über fünf Prozent der Stimmen erhalten. Dies würde ihn berechtigen, bei der nächsten Präsidentschaftswahl eine Wahlkampfkostenerstattung aus der Bundeskasse zu verwenden. Nader bedrängte Gore von links und bedrohte die demokratische Mehrheit in etlichen Staaten.

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