Politik : US-Wahl: Der Sieger bekommt alles

In den USA entscheidet das Volk nur indirekt über den Präsidenten. Gewählt wird der erste Mann im Staate durch das so genannte Electoral College, ein Gremium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen Bundesstaaten und des District of Columbia mit der Bundeshauptstadt Washington. Jeder Staat stellt so viele Wahlmänner- oder -frauen, wie er Abgeordnete und Senatoren im Kongress besitzt. Das macht bevölkerungsreiche Staaten wie Kalifornien, New York und Florida besonders mächtig.

Um Präsident zu werden, sind mindestens 270 Stimmen im Electoral College nötig. Bei George W. Bush und Al Gore war bis zum Mittwochabend nicht klar, wer das Rennen machen würde. Das Votum im Electoral College findet diesmal am 18. Dezember statt, die Vereidigung des neuen Präsidenten am 20. Januar.

Es gilt das Prinzip: Der Sieger bekommt alles. Der Verlierer geht leer aus - ganz gleich, wie viele Stimmen der Bürger er in dem betreffenden Staat auf sich vereinigen konnte. Traditionell halten sich die Mitglieder des Electoral College daran.

Dies macht es möglich, dass bei ganz knappen Rennen wie dem zu erwartenden zwischen George Bush und Al Gore ein Kandidat zwar US- weit die meisten Wählerstimmen (popular vote) bekommt, aber trotzdem nicht Präsident wird. Aber das ist in der Geschichte erst zwei Mal vorgekommen: 1876 gewann Rutherford Hayes und 1888 Benjamin Harrison, obwohl ihr Kontrahent insgesamt mehr Stimmen erhalten hatte.

Auch ein Patt im Electoral College ist keinesfalls nicht ausgeschlossen - wie beim Rennen zwischen Thomas Jefferson und Aaron Burr im Jahr 1800. In einem solchen Fall muss das US-Repräsentantenhaus entscheiden. Dabei steht jeder Abgeordnetengruppe eines Staates nur jeweils eine gemeinsame Stimme zu.

Am 7. November fanden auch Kongresswahlen statt. Außerdem wurde in elf Bundesstaaten über die Gouverneure entschieden. Der für die Gesetzgebung und die Kontrolle von Präsident und Regierung zuständige Kongress besteht aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat. Die 435 Abgeordneten werden stets auf zwei Jahre, die 100 Senatoren auf sechs Jahre bestimmt.

Daraus ergibt sich, dass im Zwei-Jahres-Rhythmus und damit auch am 7. November alle Abgeordneten zur Wahl standen, aber nur rund ein Drittel der Senatoren (34 in diesem Jahr). Die Zahl der von einem Staat zu entsendenden Abgeordneten richtet sich nach der Bevölkerungszahl, während jeder Bundesstaat unabhängig von der Größe zwei Senatoren stellt.

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