Politik : US-Wahl: Der Wahlstreit wirft einen Schatten auf das Weiße Haus

Calvin Woodward

Der scheinbar endlose Kampf um jede Wählerstimme in Florida geht auch am Präsidentenamt der USA nicht ohne Spuren vorbei. Welcher Schaden tatsächlich angerichtet wird, ist aber kaum abzusehen, sagen angesehene Historiker und ehemalige Präsidentenberater. David Gergen, Berater von vier Präsidenten von Richard Nixon bis Clinton, sagte, dass der erbitterte Kampf um die 25 Wahlmännerstimmen Floridas dem höchsten Amt Würde genommen hätte und der Nation eine schnelle Versöhnung verbauen werde. "Wenn Sie sich den Weg in das Amt auf diese Weise freigeboxt haben, werden Sie dabei auch unvermeidlich beschädigt." Zumindest kurzfristig werde es den nächsten Präsidenten schwächen.

Für Charles Mathias, ehemaliger republikanischer Senator mit hohem Ansehen bei beiden Parteien, steht der besondere Ruf der US-Präsidentschaft auf dem Spiel: "Er wird von Entwicklungen wie bei einer Landratswahl gefährdet. Dieses Amt, so ehrenhaft und mächtig, steht plötzlich mit jedem beliebigen Wahlamt auf einer Stufe."

Der Historiker Jack Rakove, 1997 mit dem Pulitzerpreis für seine Arbeit über die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts ausgezeichnet, erinnert daran, dass das Präsidentenamt bereits mit dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton im Zuge der Lewinsky-Affäre Schaden genommen hätte. "Beide Seiten werden gute Gründe für Beschwerden haben", sagte er. "Das Kind ist in den Brunnen gefallen, und es wird schwer sein, es da wieder herauszuholen."

Die beiden Vorgänger des 43. US-Präsidenten, Bill Clinton und George Bush, bleiben dagegen Optimisten. "Ich denke, es ist zu früh, davon zu reden, dass Verbitterung und Parteigängertum den nächsten Präsidenten blockieren werden", sagte Clinton. "Man wird schon sehen, dass es eine echte Bereitschaft zur Zusammenarbeit geben wird." Der Vater des republikanischen Kandidaten erklärte: "Was immer auch geschieht, wir werden wieder zusammenkommen, und der neue Präsident wird in der Lage sein zu führen."

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