Politik : US-Wahl: Die teuersten Anwälte Amerikas kämpfen für die Parteien

Thomas Müller

Die Wähler haben gesprochen, jetzt haben die Anwälte das Wort. Nach der verwirrendsten Präsidentschaftswahl in der Geschichte der USA strömen Anwälte aus dem ganzen Land nach Florida, um bei den zahlreichen, immer unübersichtlicher werdenden Verfahren mitzuarbeiten. Die Liste der Anwälte, die für die Präsidentschaftskandidaten Al Gore und George W. Bush arbeiten, liest sich dabei wie ein "Who is Who" der Branche.

Der jüngste Zugang im Gore-Lager ist einer der prominentesten Anwälte der USA: Der 59-jährige David Boies hatte auf Seiten der amerikanischen Regierung im Frühjahr das Kartellverfahren gegen Microsoft geführt und dabei den Software-Riesen in die Knie gezwungen. Anschließend kämpfte er für die Internet- Musiktauschbörse Napster gegen den einflussreichen Verband der amerikanischen Musikindustrie - und war dabei so erfolgreich, dass Bertelsmann den einstigen Feind kürzlich kaufte.

Zu den weiteren Staranwälten auf Seiten der Demokraten zählen der 59-jährige Lawrence Tribe, der als einer der Kandidaten für den Obersten Gerichtshof im Falle eines Gore-Sieges gilt, und Kendall Coffey. Coffey hatte im Kampf um den kubanischen Flüchtlingsjungen Elian auf Seiten der Verwandten in Miami gegen Justizministerin Janet Reno gestritten. Ebenfalls auf Seiten der Demokraten steht Alan Dershowitz, der unter anderem O.J. Simpson vertreten hatte.

Während die Demokraten bereits kurz nach der Wahl begonnen hatten, die Anwälte anzuheuern, brauchten die Republikaner länger. Auf ihrer Seite steht unter anderem der 60-jährige Theodore Olson - ein enger Freund des durch den Lewinsky-Skandal berühmt gewordenen Sonderermittlers Kenneth Starr, und der Wahlrechtsexperte Benjamin Ginsberg. Um die bis zu 500 Dollar pro Stunde teuren Anwälte bezahlen zu können, wurden beide Parteien kreativ. Die Demokraten widmeten ein als Siegesfeier geplantes Frühstück in eine Sammlung um und nahmen drei Millionen Dollar ein. Die Republikaner riefen in E-Mails zu Spenden für einen "Bush-Cheney- Nachzählfonds" auf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar