Politik : US-Wahl: "Diese Wahl wird für immer einen Schmutzfleck tragen"

Walter Mears

Unabhängig davon, wie der Wahlkrimi in Amerika ausgehen wird: Als echter Sieger wird sich der künftige US-Präsident niemals fühlen können. Zumindest von der Gegenseite wird er sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen müssen, er habe sich den Einzug ins Weiße Haus mit unfairen Mitteln verschafft. Fast fünf Wochen nach der Wahl, die dem Rennen um die 43. Präsidentschaft eigentlich ein Ende setzen sollte, bekämpfen sich die Kandidaten Al Gore und George W. Bush mit härteren Bandagen denn je.

Gores Lager macht geltend, dass entsprechend einer Entscheidung des Obersten Gerichts in Tallahassee alle Stimmzettel des Staates ausgewertet werden sollen. Die demokratische Senatorin Barbara Boxer aus Kalifornien sagte, falls das Verfassungsgericht nicht die Wiederaufnahme der Nachzählungen erlaube, "wird diese Präsidentenwahl für immer einen Schmutzfleck tragen".

Auch Bushs Anhänger wiederholten am Wochenende vor Gericht ihre bekannten Argumente. "Wir haben keine Angst davor, alle Stimmen zählen zu lassen", sagte Baker. "Die Frage ist aber: Welche Stimmen sind rechtmäßig?" Eine Wiederaufnahme der am Samstag gestoppten Nachzählung werde "garantiert Streit, Argwohn und Vertrauensverlust anrichten". Da jeder Bezirk die Stimmzettel unterschiedlich auswerte, wäre jedes Ergebnis zweifelhaft, sagte Baker.

Offensichtlich wurde das Dilemma am Wochenende in einem CBS-Interview des demokratischen Fraktionsvorsitzenden im Senat, Tom Daschle. Er wurde gefragt, ob sich die Republikaner im Kongress schwerer mit Gore als Präsidenten abfinden würden als umgekehrt die Demokraten mit Bush. "Das ist eine gute Frage", antwortete Daschle. "Ich frage mich das auch manchmal, aber ich glaube nicht, dass wir die Frage stellen sollten." Stattdessen "sollten wir uns bemühen, den Wahlkampf und die Wahl so schnell wie möglich hinter uns zu lassen", sobald eine Entscheidung vorliegt.

Der demokratische Senator Bob Torricelli aus New Jersey schlug vor, dass Gore und Bush - unabhängig vom Ausgang der Wahl - sofort nach Bekanntgabe des Wahlsiegers gemeinsam vor die Öffentlichkeit treten sollten, um zu nationaler Einheit und zur Annahme des Ergebnisses aufzurufen.

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