US-Wahl : "Gustav" überschattet Republikaner-Parteitag

Das hatten sich die Republikaner anders vorgestellt: Anstatt großer politischer Reden zur Eröffnung des Parteitags wurden lediglich formale Fragen geklärt: Hurrikan Gustav dominierte die Inszenierung des Events. Für Wirbel sorgten zudem Gerüchte um die schwangere Tochter der designierten Vize-Präsidentschaftskandidatin.

Republikaner-Parteitag
Cindy McCain und Laura Bush werben um Spenden. -Foto: dpa

Minneapolis/St. PaulIm Zeichen des Hurrikans "Gustav" haben die US-Republikaner am Montag in Minneapolis-St. Paul im Bundesstaat Minnesota ihren Wahlparteitag eröffnet. Mit Rücksicht auf die Gefahren des Sturms und die Folgen für die betroffene Golfregion war das Programm drastisch gestutzt worden. Die rund 2400 Delegierten kamen zur Eröffnung am Montag lediglich zu einer rund zweieinhalbstündigen Sitzung zusammen, hauptsächlich um sich wie von den Parteiregeln verlangt zu konstituieren.

Der Parteitagsauftakt wurde von zahlreichen Protestaktionen begleitet. Nach Medienberichten gingen etwa 10.000 Menschen auf die Straße, um gegen den Irakkrieg und insgesamt gegen die Regierung des republikanischen Präsidenten George W. Bush zu demonstrieren. Am Rande der Proteste kam es US-Medien zufolge zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Pfefferspray gegen Radikale ein, die mit Flaschen warfen und Reifen geparkter Autos zerschnitten.

Antrittsrede McCains auf dem Parteitag?

Ob John McCain, der nach den bisherigen Plänen am Mittwoch von den Delegierten offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert werden sollte, seine Antrittsrede auf dem Parteitag halten würde, blieb wegen des weiteren Verlaufs des Hurrikans "Gustav" unklar. In einem Interview des Senders NBC hatte der Senator aus Arizona vor dem Eintreffen des Sturms auf dem Festland gesagt, es sei möglich, dass er via Satellit von der Golfküste aus sprechen werde. Die Antrittsrede nach der Nominierung bildet traditionell den Höhepunkt und Abschluss der Parteitage und zugleich den Einstieg in die heiße Wahlkampfphase.

Am Montag standen keine politischen Reden auf dem Programm. "Wir werden von jeder Art Rhetorik Abstand nehmen, die sonst traditionell bei der Eröffnung eines Parteitags (zu hören) ist", erläuterte McCains Wahlkampfmanager Rick Davis. Die geplanten Autritte von Präsident Bush, Vizepräsident Dick Cheney und anderen Rednern waren abgesagt worden. Die Parteitagsregisseure wollten den Eindruck vermeiden, dass sich die Republikaner zu einem Jubelfest treffen, während an der Golfküste Millionen Menschen auf der Flucht sind. In der ursprünglichen Planung war für Mittwochabend die Rede der Vizekandidatin Palin vorgesehen, am Donnerstag sollte sich McCain an die Delegierten wenden.

Stattdessen ergriffen First Lady Laura Bush und ihre potenzielle Nachfolgerin Cindy McCain kurz das Wort, um "Wege aufzuzeigen, wie den Opfern des Hurrikans geholfen werden kann", wie es am Montag in der Zeitung "Star Tribune" hieß. Auch die zahlreichen Party-Veranstaltungen für die Delegierten am Rande des Kongresses sollten nach Angaben führender Republikaner in Ton und Atmosphäre "gedämpft" und für Spendensammlungen zugunsten der von "Gustav" betroffenen Menschen genutzt werden. Laura Bush selbst sagte dem Sender Fox News, die Delegierten seien natürlich enttäuscht, dass es kein normales Parteitagsprogramm am Montag gebe. "Aber jeder versteht es."

Schwangerschaft kein Wahlkampfthema

Für Wirbel sorgte neben "Gustav" am Montag die Bestätigung, dass die 17-jährige ledige Tochter Bristol der Vizekandidatin McCains Sarah Palin schwanger ist. In einer Erklärung der erst 44-jährigen Palin und ihres Ehemannes Todd hieß es, das junge Mädchen werde den Vater des Kindes heiraten. Zuvor waren Gerüchte im Internet aufgetaucht, denen zufolge der jüngste Sohn der Gouverneurin in Wahrheit Bristols Kind sei. Palin, so hieß es weiter, habe eine eigene Schwangerschaft vorgetäuscht, um danach das Kind als ihr eigenes auszugeben. Der kleine im Mai geborene Junge ist geistig behindert.

Ein McCain-Mitarbeiter wurde mit den Worten zitiert, der Präsidentschaftskandidat habe vor der Nominierung von der Schwangerschaft von Palins Tochter Bristol gewusst. Sarah und Todd Palin baten darum, die Privatsphäre ihrer Tochter und die ihres künftigen Ehemanns zu achten, wie dies bei Kindern von Kandidaten bisher Sitte gewesen sei.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama pflichtete bei. Die Schwangerschaft der Palin-Tochter sollte nicht zum Wahlkampfthema werden, sagte Obama in Monroe (Michigan). Die Familien der Kandidaten müssten tabu sein und erst recht die Kinder. Die Schwangerschaft habe keine Bedeutung bei der Einschätzung der Qualifikation Palins als Gouverneurin oder möglicher künftigen Vizepräsidentin. (nis/AFP/dpa)

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