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US-Wahl : Maschinen-Spuk im Wahllokal

07.11.2012 12:10 Uhrvon
In einem Wahllokal in Pennsylvania spielte eine Wahlmaschine verrückt.Bild vergrößern
In einem Wahllokal in Pennsylvania spielte eine Wahlmaschine verrückt. - Foto: AFP

Scheintote, Stromausfall und übereifrige Beamten: Am Tag der Wahl spielten sich in den USA verrückte Szenen ab. Vor allem in New York gab nach dem Wirbelsturm "Sandy" teilweise Chaos an den Wahlurnen. Trotzdem steht Obama nun als Sieger fest - für abergläubische Amerikaner könnte das eine Überraschung sein.

Blau leuchtet das Empire State Building über den Dächern New Yorks: Der demokratische Präsident Barack Obama ist wieder gewählt worden. Doch nach einem teuren und aufwändigen Wahlkampf blieb auch der Tag der Wahl nicht ohne Zwischenfälle und Kuriositäten.

Vor allem in den Wahllokalen spielten sich verrückte Szenen ab. So brach im Bundesstaat Michigan ein alter Mann an der Urne zusammen. Eine Krankenschwester eilte herbei - und konnte weder Puls noch Atem feststellen. "Er war tot", soll sie später erzählt haben. Doch plötzlich kam der Mann wieder zu sich und fragte als erstes, ob er schon gewählt habe.

Für Empörung sorgten dagegen defekte Wahlmaschinen: Im US-Staat Pennsylvania wurde offenbar ein Gerät aus dem Verkehr gezogen, das Stimmen für Obama in Stimmen für Romney umwandelte. Ein Bürger hielt dies sogar in einem Youtube-Video fest: Die Aufnahme zeigt den Finger eines Wählers, der auf dem Touchscreen Obama antippt - stattdessen wird aber Herausforderer Romney ausgewählt. Die Szene erinnerte viele stark an eine Folge der Simpsons, ist aber leider real.

Auch über lange Schlangen in den Wahllokalen ärgerten sich die Amerikaner. Vor allem in New York standen die Menschen teilweise stundenlang an, bevor sie ihre Stimme abgeben konnte. Dort waren etwa 100 Wahllokale verlegt worden, weil sie nach Wirbelsturm "Sandy" wegen Überschwemmung und Stromausfällen nicht benutzbar waren. Stattdessen wurden beheizte Zelte als provisorische Wahllokale aufgestellt - in einem fiel allerdings ebenfalls der Strom aus, weil das Benzin im Generator fehlte. Und so mussten die Wähler im Schein der Taschenlampe ihr Kreuz setzen.

In letzter Minute hatte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo am Montagabend einen Erlass unterschrieben, der die Bindung an ein bestimmtes Wahllokal aussetzt: New Yorker durften am Dienstag nun wählen, wo sie wollten - oder wo sie hinkamen. Spezielle Shuttle-Busse wurden eingesetzt, die die Menschen aus besonders hart getroffenen Gegenden zu Wahllokalen bringen sollten. In New Jersey galt die Sonderregelung ebenfalls. Dort steuerten auch Busse mit Wahlmaschinen die verschiedenen Notunterkünfte an. New Jerseys Gouverneur Chris Christie erlaubte zudem das Wählen per E-Mail. Doch dabei ging einiges schief: Der Server war überlastet, viele Bürger beschwerten sich, ihre Anmeldungen zur Wahl seien nicht beantwortet worden oder als unzustellbar zurück gekommen. Ein besonders einfallsreicher Beamter forderte die Wähler deshalb auf, die Anmeldungen stattdessen an seine private Hotmail-Emailadresse zu senden. Dabei sind die Wählerstimmen nur unzureichend geschützt: Fremde könnten sich leicht Zugang zu dem Account verschaffen, wenn sie angeben, ihr Zugangspasswort vergessen zu haben und dann eine Sicherheitsfrage beantworten - beispielsweise nach dem Mädchennamen der Mutter des Beamten, der im Internet leicht zu ermitteln ist.

Neben dem Präsidenten stimmten die amerikanischen Bürger am Dienstag aber auch über den Kongress ab. Auch diese Wahl förderte ein für viele Liberale erfreuliches Ergebnis zu Tage: In den US-Senat wird erstmals eine bekennende Lesbe einziehen. Die Demokratin Tammy Baldwin, die bereits seit mehr als zehn Jahren dem Repräsentantenhaus in Washington angehört, eroberte im Bundesstaat Wisconsin einen Senatssitz. In einem äußerst knappen Rennen setzte sich die 50-Jährige damit gegen den Republikaner Tommy Thompson durch, den früheren Gesundheitsminister und Gouverneur von Wisconsin.

Zudem gab es in einigen Bundesstaaten und Bezirken Volksabstimmungen. In Colorado und Washington haben sich die Wähler für die Legalisierung von Marihuana ausgesprochen. Währenddessen wurde in Florida über die Abschaffung der Todesstrafe entschieden - 54 Prozent sprachen sich dagegen aus. Gleichzeitig wurde im Bundesstaat Oklahoma ein verurteilter Mörder hingerichtet, der 1986 die Mutter seiner Kinder umgebracht hatte.

Präsidentschaftswahl, Kongresswahl und Volksabstimmung: Für die amerikanischen Bürger geht eine aufregende Wahlkampfzeit vorüber - denn knapp waren die Umfragen an allen Fronten. Dass Obama nun erneut Präsident wird, mag aber für all diejenigen überraschend sein, die an das alte Football-Orakel, die "Redskins-Rule", geglaubt haben. Die Regel besagt nämlich, dass das Abschneiden des amtierenden US-Präsidenten vom Ausgang des letzten Heimspiels der "Redskins" vor der Wahl abhängt. Dass die Washingtoner Mannschaft am Sonntag verlor, sahen viele als ein schlechtes Omen für Obama, denn die "Redskins-Rule" hatte seit 1940 17 von 18 aller Wahlergebnisse richtig vorhergesagt. Doch mit Obamas Wiederwahl muss nun eine weitere Ausnahme die Regel bestätigen.

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