US-Wahl : Mitt Romney: Politik-Manager mit Wendehals

Er gilt als wendiger Politik-Manager mit dickem Konto. Doch die politischen Konkurrenten verspotten den Republikaner gern als "Kandidaten des Wechsels" - und meinen damit den Wechsel der politischen Positionen.

Peter Wütherich[AFP]
Mitt Romney gewinnt in Michigan
Unterstützung für Mitt Romney: In seinem Heimatstaat Michigan jubelt die Menge für den Ex-Gouverneur. -Foto: AFP

WashingtonMit angeschlagenen Unternehmen hat Mitt Romney viel Erfahrung. Als Finanzinvestor und Sanierer machte der Republikaner ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Zuletzt erschien sein eigener Wahlkampf um die Präsidentschaft als Sanierungsfall. Die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hatte Romney klar verloren, die Abstimmung am Dienstag in Michigan war seine letzte Chance - und er nutzte sie. Mit seinem klaren Sieg wahrte sich Romney die Chancen auf die Spitzenkandidatur seiner Partei. Er offenbart aber auch die Ratlosigkeit der Republikaner: Nach Mike Huckabee und John McCain ist Romney ihr dritter Vorwahl-Sieger binnen zwei Wochen. Die Suche der Partei nach einem Favoriten für die Bush-Nachfolge geht also weiter.

In Michigan punktete Romney mit seiner Wirtschaftskompetenz, die Krise der US-Autoindustrie hat den Industriestaat im alten "Rostgürtel" der USA schwer getroffen. Romney konnte zudem auch auf seinen Lokalvorteil setzen: Er ist in Michigan aufgewachsen, sein Vater regierte den Staat als Gouverneur. "Das ist der Beginn eines Comebacks", sagte Romney vor seinen Anhängern. "Noch vor einer Woche hatte ein Sieg unwahrscheinlich ausgesehen."

Riesiges Privatvermögen

Vieles ist Romney gut gelungen in seinem Leben. Als erfolgreicher Gründer einer Investmentfirma häufte er ein riesiges Privatvermögen an. Als Retter in der Not führte er als Manager die skandalträchtigen Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City aus dem Korruptionssumpf zu einem profitablen Erfolg. Als politischer Quereinsteiger errang er 2002 bei den Gouverneurswahlen im demokratisch geprägten Bundesstaat Massachusetts einen Sieg. Zudem kann er mit seiner Frau Ann eine heile Familie mit fünf erfolgreichen Söhnen präsentieren - für einen Konservativen in den USA ist das ein großes Plus.

Romney hat mehr Geld als alle anderen republikanischen Kandidaten in den Wahlkampf gesteckt, allein aus seinem Privatvermögen steuerte er mehr als 17 Millionen Dollar bei. Dafür finanzierte er eine ganze Flut von Fernsehspots, in denen er seine Konkurrenten, allen voran Senator John McCain, hart anging. Der Sieg in Michigan war bitter erkämpft, Romneys Negativ-Kampagne ließ den Ton der Auseinandersetzung bei den Republikanern scharf werden. Die Vorwahl hat er nun gewonnen, die Herzen in seiner Partei muss er erst noch für sich gewinnen.

Parteiinterne Gegner sehen in ihm einen Opportunisten

Auf dem Weg ins Weiße Haus muss Romney ständig gegen den Verdacht ankämpfen, seine politischen Positionen allzu oft der aktuellen Stimmungslage anzupassen. Als Gouverneur trat er etwa für das Recht auf Abtreibung ein, inzwischen verteufelt er sie. Vom Fürsprecher für die Rechte Homosexueller wandelte er sich zum scharfen Gegner der Homo-Ehe. Gegen illegale Einwanderer fährt er jetzt eine harte Linie; früher hatte er allerdings selbst einige in seinem Haushalt beschäftigt. Diese Widersprüche sichern Romney viele kritische Fragen.

Parteiinterne Gegner sehen in ihm einen Opportunisten, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. "Wenn jemand schon als Kandidat nicht die Wahrheit sagt, wie wird er dann erst als Präsident sein?", fragte sein parteiinterner Rivale Huckabee spitz. McCain verspottete Romney als "Kandidat des Wechsels" - gemeint war der häufige Wechsel von Romneys politischen Positionen. Auf eine gewisse Skepsis stößt im Wahlkampf auch Romneys Glaube: Er will als erster Mormone US-Präsident werden, viele evangelikale Christen in den USA sehen diese Religion als obskuren Kult.

Im Wahlkampf zollte Romney dem unpopulären Parteifreund George W. Bush immer wieder Respekt. Eie politische Kehrtwende unter einem Präsidenten Romney wäre in den USA nicht zu erwarten. Den Militäreinsatz im Irak sieht er als Entscheidungsschlacht im Kampf gegen den Terrorismus, der fortgesetzt werden müsse. Das umstrittene Gefangenenlager Guantanamo will er nicht schließen,
sondern "verdoppeln". Innenpolitisch profiliert er sich mit einer harten Linie gegen illegale Zuwanderer: Ihnen will er den Weg in die Legalität versperren.

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