US-Wahl : Obama und McCain als Latin Lovers

Beide Präsidentschaftskandidaten umwerben die Hispanics, die größte Minderheit der USA. Die ersten Unterschiede zeichnen sich zwischen Obama und McCain ab.

Christoph von Marschall
Obama
Barack Obama spricht auf dem Nationalen Kongress der Lateinamerikanischen Liga. -Foto: AFP

WashingtonNur die Bilder ähneln sich, die Dynamik ist dagegen eine ganz neue. Im Ballsaal des Washington Hilton umwerben John McCain und Barack Obama die Latino-Wähler, die mit Abstand größte Minderheit der USA. Gewiss, das haben sie schon in den Vorwahlen getan, als sie um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat ihrer Partei kämpften. Innerparteilich haben sie gesiegt, jetzt tobt der Hauptkampf zwischen Demokraten und Republikanern. Das ändert die Lage.

In den Vorwahlen lag Obama, zum Beispiel, in der Gunst der Hispanics zurück. Zu zwei Dritteln unterstützten sie Hillary Clinton, von Kalifornien über Nevada bis Texas. Im Duell gegen McCain jedoch geben die Hispanics Obama zu 59 Prozent den Vorzug, nur 29 Prozent sind für McCain. Es ist die Quittung für die Weigerung der Republikaner, das Einwanderungsrecht zu reformieren und zwölf Millionen Illegalen einen Weg zum Aufenthalt zu ebnen. Dabei hatte McCain für die Reform gekämpft.

"Si, se puede"

Nun sprechen beide im Abstand weniger Stunden vor der Jahreskonferenz von Lulac, der 1929 gegründeten "League of United Latin American Citizens“. McCain, der Senator aus Arizona, einem Grenzstaat zu Mexiko mit hohem Latinoanteil, lobt deren US-Patriotismus. Hoch sei der Anteil der Rodriguez, Hernandez und Lopez im Militär. Er preist auch den Unternehmergeist der zwei Millionen Selbstständigen unter den Hispanics und schmeichelt, in Arizona habe man Spanisch lange vor Englisch gesprochen.

Obama spricht kein Spanisch, aber mit "Si, se puede“, dem Kampfruf der Hispanics um Gleichberechtigung, erreicht er rasch die Herzen. Niemand nimmt es ihm hier übel, dass er den Slogan "geklaut“ und als "Yes, we can“ zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Der populäre Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, führt Obama ein. Eben hatte er noch Wahlkampf für Hillary gemacht. Jetzt präsentieren sich die Demokraten als Einheitsfront.

Obama will auch die Hispanics in seine Massenbewegung integrieren. "Einer für alle, alle für einen“, verspricht er. "Wenn ich gewinne, gewinnt ihr eine Regierung, die eure Interessen vertritt.“ Die Hispanics, schmeichelt er, "können diese Wahl entscheiden“. Wenn sie sich in die Wählerlisten eintragen und zur Wahl gehen, gewinnen die Demokraten Staaten, die bisher meist an die Republikaner fielen: Colorado, Nevada, New Mexico, Arizona und Florida. Obama verlässt die Bühne unter Salsaklängen und Jubel.

Obama schöpft die Sympathiewerte für die Demokraten nicht aus

Seit dem Übergang von der Kandidatenkür zum Hauptwahlkampf hat er sich in den Umfragen abgesetzt von McCain. Er führt stabil mit sechs bis sieben Prozent. Andererseits fällt auf, dass McCain immer noch besser abschneidet als die Republikaner generell. Obama kann den Sympathievorsprung der Demokraten für sich persönlich nicht voll ausschöpfen. Seine Berater fürchten den "Bradley- Effekt“: Am Ende stimmen weniger Bürger für dunkelhäutige Kandidaten, als die Umfragen ausweisen. Die Wähler wollen sich ihre Vorbehalte nicht eingestehen.

Jugendliche Frische und Begeisterung gegen Erfahrung und solides Handwerk, so porträtieren die US-Medien das Duell zwischen Obama, der am 4. August 47 wird, und dem bald 72-jährigen McCain. Erbarmungslos decken sie Schwächen auf. McCain sei kein guter Redner, komme nicht mit dem Teleprompter zurecht, von dem er doch nur ablesen müsse. Stammwähler der Republikaner halten ihn für zu liberal. Gerade hat er seinen Wahlkampfchef ausgetauscht, weil ihm eine zündende Botschaft fehle. Steve Schmidt, der Neue, hat George W. Bush 2004 zur Wiederwahl verholfen, wozu auch schmutzige Tricks gehörten. Er hat aber auch Arnold Schwarzenegger zu seinem Triumph als moderater Kandidat der Mitte geführt.

Popstar der Mitte?

Obamas öffentliches Bild wechselt zwischen der Faszination eines neuen Kennedy und Zweifeln an seinem Programm. Wie Kennedy 1960 will er die Rede, mit der er die Kandidatur am 28. August in Denver annimmt, nicht am Schauplatz des Nominierungsparteitags halten. Das Pepsi-Center fasst nur einige Tausend Zuhörer. Er geht ins nahe Sportstadion Ivesco Field mit 76.000 Plätzen. Der Politiker als Popstar, das ist seine Stärke. Doch hat er nicht Positionen gewechselt, um den Wählern zu gefallen, vom Irakabzug bis zur Todesstrafe? Bei Obama schauen die Medien da noch genauer hin als bei McCain, Senator seit über 20 Jahren. Auch der hat jetzt ein Irakproblem: Iraks Regierung fordert konkrete Abzugstermine, die er vermeiden möchte.

Vier Monate Kampf liegen vor beiden, noch ist nichts entschieden. Nur eins ist gewiss: Diese Wahl wird in der Mitte gewonnen, nicht über den rechten Flügel.

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