US-Wahl : Veröffentlichung von Obamas Gebet: Empörung in Israel

Eklat nach der Nahostreise von Barack Obama. Der demokratische Präsidentschaftskandidat hatte ein schriftliches Gebet an der Klagemauer hinterlassen. Eine Zeitung druckte den geheimen Zettel ab - und sorge damit für Empörung.

Gebet
Dieses Gebet schrieb Obama und hinterließ es an der Klagemauer. -Foto: AFP

Eine israelische Boulevard-Zeitung sorgt mit der Veröffentlichung eines schriftlichen Gebets des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama für Empörung. Wie israelische Medien am Montag berichten, hat ein Rechtsanwalt bei Generalstaatsanwalt Menachem Masus die Aufnahme polizeilicher Ermittlungen gegen die Zeitung "Maariv" beantragt.

Obama hatte kurz vor seinem Abflug nach Berlin am Donnerstagmorgen zum Abschluss seiner Nahostreise die Klagemauer besucht. Dort - wie an dieser Stätte üblich - hinterließ er in einem stillen Moment ein schriftliches Gebet in einer der Ritzen in der Mauer.

Viele Juden sind empört

Die Zettel, die gläubige Juden in die Klagemauer stecken, sind nach jüdischer Tradition nur für Gott bestimmt und dürfen nicht von anderen gelesen werden. Die zusammengefalteten Blättchen werden zweimal im Jahr aus der Wand genommen und an einem sicheren Ort aufbewahrt, um die Privatsphäre der Betenden zu gewährleisten. Das Gebet von Obama wurde jedoch von der Zeitung gelesen und abgedruckt.

Damit habe das Blatt die "Privatsphäre und Ehre von Senator Obama sowie die Gefühle jedes israelischen Bürgers und die Heiligkeit der Klagemauer verletzt", sagte der Rechtsanwalt Schachar Elon in der "Jerusalem Post". Er forderte zudem zu einem Boykott von "Maariv" auf, bis die Zeitung sich öffentlich entschuldige.

Obama bat um Weisheit

"Maariv" wehrt sich gegen die Vorwürfe und teilte angesichts der Kritik mit, das Gebet Obamas sei zur Veröffentlichung freigegeben worden, kurz nachdem er es im King-David-Hotel in Jerusalem geschrieben habe. Weil Obama nicht Jude sei, bedeute der Abdruck des Gebets auch keine Verletzung seiner Privatsphäre, hieß es in einer Stellungnahme.

Auf dem Zettel, den das Blatt am Freitag auf seiner Titelseite abgedruckt hatte, bittet Obama unter anderem um Weisheit bei seinen Entscheidungen und Schutz für seine Familie. Der Rabbiner der Klagemauer steckte den Zettel am Sonntag zurück zwischen die uralten Steine. (jg/dpa)

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