US-Wahl : Wahlkampf mit Klempner Joe

Drittes TV-Duell: Wie der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain versucht, den Rückstand auf Widersacher Obama aufzuholen.

Christoph von Marschall
Obama Klempner Joe
Holland, Ohio: Barack Obama im Gespräch mit Klempner Joe. -Foto: Getty

WashingtonDer Wahlkampf hat ein neues Gesicht: Klempner Joe. Vor dem dritten TV-Duell hatten die Medien spekuliert, ob John McCain die Charakterangriffe auf Barack Obama fortsetzen werde, um den Trend zu drehen. 19 Tage vor der Wahl liegt er in den Umfragen zurück, selbst in bislang verlässlich republikanischen Staaten wie Virginia, North Carolina und Colorado führt Obama. Die Mehrzahl der Bürger lastet die Wirtschaftskrise der Bush-Regierung an. McCain fand bisher kein Gegenrezept. Seine Werbespots, die Obama als Terroristenfreund, Steuererhöher und eine generell riskante Wahl porträtieren, haben wenig Erfolg.

Nun führte McCain Joe Wurzelbacher ein: einen Klempner im umkämpften Ohio, der den Betrieb vom Chef kaufen möchte. Joe hatte Obama kürzlich bei einem Auftritt in Ohio mit skeptischen Fragen konfrontiert, welche Belastungen auf ihn zukommen. „Senator Obama will die Steuern erhöhen und neue Abgaben für eine allgemeine Krankenversicherung einführen“, attackierte McCain zu Beginn der Debatte. „Dann kann Joe seinen amerikanischen Traum vergessen.“

Obama wirkte überrascht und antwortete zunächst allgemein: Er schlage keine neuen Belastungen für Kleinbetriebe vor. Die seien von der obligatorischen Krankenversicherung ausgenommen. Die Steuern erhöhten sich nach seinen Plänen nur für Bürger, die mehr als 250 000 Dollar im Jahr verdienen. „Joe sieht das anders“, insistierte McCain. Erst nach mehreren Wortwechseln sprach Obama Klempner Joe und die vielen Millionen vor den Fernsehgeräten direkt an: „Joe, wenn Sie tatsächlich zuhören: Sie können beruhigt sein, ich plane keine neuen Auflagen für Ihren Betrieb.“

Fast idealtypisch breiteten McCain und Obama die gegensätzlichen Ansätze aus. Der Staat muss den Schwächeren helfen, die Bush-Jahre hätten nur den Reichen gedient, argumentierte der Demokrat. Der Staat solle sich aus der Wirtschaft so weit wie möglich heraushalten und den Menschen ihre Selbstverantwortung lassen, forderte der Republikaner. Handwerker und Selbstständige seien die Jobmaschine des Landes. Am Morgen nach der Debatte begann die Jagd der Medien: Steht Klempner Joe in Verbindung mit McCains Kampagne oder ist er ein neutraler Bürger auf der Suche nach Antworten in der Krise?

Diese letzte Debatte war die beste der drei. Moderator Bob Schieffer vom Sender CBS sprach Themen an, die zu kurz gekommen waren: die Ernennung neuer Verfassungsrichter; der Wertestreit, ob Abtreibung generell erlaubt bleiben oder eingeschränkt werden soll; und Bildung. In diesem Teil wirkte Obama souveräner. Er vertrat seine Ansichten, ohne dem anderen Lager dessen Argumente abzusprechen. McCain tat ihm den Gefallen, ideologisch und verbissen aufzutreten. Auch diesmal ließ der Sender CNN Zuschauer bereits während der Debatte mit elektronischen Geräten ihre Zustimmung oder ihr Missfallen ausdrücken. Wie bei den ersten beiden Duellen erhielt McCain mehr Zuspruch von Männern, Obama hatte die Mehrzahl der Frauen auf seiner Seite. Immer, wenn es zu persönlichen Angriffen kam – McCain griff öfter zu dem Mittel als Obama –, gingen die Kurven der Spontanreaktionen in den Keller. Die Amerikaner sind den Streit leid. Sie wollen praktische Rezepte zur Besserung der Lage hören.

Nach einer Blitzumfrage für CNN nach der Debatte sahen 58 Prozent Obama als Sieger, 31 Prozent McCain. Die Kommentatoren dagegen sahen ein Unentschieden. Es sei McCains beste Debatte gewesen. Die Frage ist: Wird Klempner Joe nachhaltigen Einfluss entfalten?

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