US-Wahlkampf : Blonde Lobbyistin bringt McCain in Bedrängnis

Republikaner John McCain, der sich im Wahlkampf als "Mann der Moral" präsentiert, könnte eine angebliche Affäre mit einer Lobbyistin aus dem Jahr 2000 zum Verhängnis werden. Damals hätten Mitarbeiter die beiden förmlich mit Gewalt trennen müssen. McCain dementiert die Vorwürfe.

McCain
McCain und die angebliche Gespielin. -Foto: dpa/AFP

WashingtonDer Favorit der Republikaner für die US-Präsidentenwahl, Vietnam-Veteran John McCain, ist wegen seiner Beziehungen zur Lobbyistin Vicki Iseman unverhofft unter Druck geraten. McCains Mitarbeiter vermuteten offenbar ein Verhältnis und hielten die heute 40-Jährige von ihm fern, um McCain "vor sich selbst" zu schützen, berichtete die "New York Times". Beide Seiten wiesen eine Affäre von sich; die Beziehung sei rein freundschaftlicher Natur gewesen. McCains Mitarbeiter hätten aber Schlimmeres befürchtet, heißt es in dem Blatt.

Der Zeitung zufolge arbeitete Iseman damals als Lobbyistin und hatte häufig mit McCain als dem Vorsitzenden des Handelsausschusses im US-Senat zu tun. Ende 1999 und Anfang 2000 sei sie häufig in seinen Büroräumen gewesen und habe seine Wahlkampfveranstaltungen besucht, mit McCain an einem Fundraising-Dinner im kleinen Kreis in Florida teilgenommen und sei später mit ihm im Privatjet eines Kunden nach Washington zurückgeflogen.

Begünstigte McCain Isemans Kunden?

Iseman habe McCain Zehntausende Dollar für seinen Wahlkampf besorgt und vertrat damals große Telekommunikationsfirmen. Bei den Informanten wird aber besonders darauf hingewiesen, der Senator habe niemals Isemans Interessen vertreten und sogar wiederholt politische Entscheidungen getroffen, die ihren Kunden ungelegen kamen.

McCains Beratern sei es aber irgendwann zu bunt geworden. "In der Überzeugung, dass die Beziehung romantisch geworden war, schritten einige seiner Top-Berater ein, um den Kandidaten vor sich selbst zu schützen", zitierte die Zeitung ehemalige Wahlkampfhelfer der damaligen Kampagne.

McCains Helfer hätten Anweisung bekommen, Iseman bei öffentlichen Auftritten von dem Politiker fernzuhalten und ihr nur noch eingeschränkt Zugang zu seinen Büroräumen zu gestatten, heißt es weiter. Zwei frühere Mitarbeiter hätten ihn mehrfach wegen der Angelegenheit konfrontiert. "Beide sagten, McCain habe eingeräumt, sich unangemessen verhalten zu haben."

McCain-Helfer beklagt Schmutzkampagne

McCains Sprecherin Jill Hazelbaker reagierte scharf auf den Bericht: "Es ist eine Schande, dass die 'New York Times' so tief gesunken ist, sich auf eine Schmutzkampagne einzulassen", erklärte sie. Hinter McCain lägen 24 Jahre, in denen er den USA "ehrenhaft und integer" gedient habe. Er werde nicht zulassen, dass eine Schmutzkampagne von den wirklichen Themen des aktuellen Vorwahlkampfs ablenke: "Die Amerikaner haben die Nase voll von Schmuddelpolitik, und nichts an dieser Geschichte deutet darauf hin, dass John McCain je die Prinzipien verletzt hat, die für seine Karriere grundlegend sind."

Auch der Kandidat selbst wies die Vorwürfe scharf zurück. "Ich bin sehr enttäuscht über den Artikel der 'New York Times', er ist nicht wahr", erklärte McCain in Toledo in Ohio. Das Verhältnis zu Iseman sei rein "freundschaftlich" gewesen. "Ich habe sehr viele Freunde in Washington", so der 71-Jährige weiter. Auch McCains Ehefrau Cindy ergriff auf der Veranstaltung das Wort. Sie habe Vertrauen in ihren Gatten, der "ein Mann von großem Charakter" sei. Der Bericht der Zeitung habe sie "sehr enttäuscht", sagte sie.

Der verheiratete John McCain gilt unter den Bewerbern um das US-Präsidentenamt als der Mann fürs Moralische. Im Vorwahlkampf seiner Partei um die Nominierung zum Kandidaten hat er seine Mitbewerber weit hinter sich gelassen. Zuletzt gewann McCain in den Bundesstaaten Wisconsin und Kalifornien gegen seinen Kontrahenten Mike Huckabee, einen früheren Baptistenprediger. (jvo/dpa/AFP)

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