US-Wahlkampf : "Die republikanischen Wähler sind deprimiert"

John McCain ist fast pleite, Rudi Giulianis Image bekommt Kratzer, andere republikanische Kandidaten bleiben blass. Freuen dürfte das die Konkurrenz von den Demokraten, die gleich zwei Zugpferde aufbieten können.

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John McCain: Der Wahlkampf des einstigen Favoriten steht vor dem Aus. -Foto: dpa

WashingtonLange sah es so aus, als hätten die konservativen Republikaner die Macht in den USA abonniert. Nur einem einzigen Demokraten ist in den letzten 30 Jahren der Sieg bei einer Präsidentschaftswahl gelungen: Bill Clinton. Viele Republikaner fürchten nun, dass ihnen für die Fortsetzung ihrer Herrschaft im Weißen Haus bei der Wahl 2008 der richtige Kandidat fehlt. Der einstige Favorit John McCain steht durch miserables Wahlkampfmanagement vor der finanziellen Pleite. Auch das Image von McCains schärfstem Konkurrenten, dem New Yorker Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, hat in den letzten Tagen einige Kratzer abbekommen.

"Die republikanischen Wähler sind deprimiert", urteilt Politik-Professor Larry Sabato von der University of Virginia. "Es läuft nicht gut." Etwa zwei Drittel der Republikaner seien mit ihren neun eher blassen Bewerbern um die Kandidatur nicht zufrieden - ganz im Gegensatz zu den Demokraten, die mit den beiden Senatoren Hillary Clinton und Barack Obama zwei Zugpferde im Angebot haben.

300.000 Dollar für Privatjets

 Als Gradmesser für die Zugkraft eines Kandidaten dient in den USA die Höhe der Spenden, die sie von ihren Anhängern für den sündhaft teuren Wahlkampf bekommen. Im zweiten Quartal 2007 sammelten Giuliani 17 Millionen Dollar und McCain nur elf Millionen ein. Obama und Clinton kamen auf 32 und 27 Millionen Dollar.

Am gefährlichsten ist die Lage für den alt gedienten Senator John McCain, der noch zu Jahresbeginn als heißester Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner galt. Beflügelt von McCains Favoritenstatus stellte sein Team eine groß angelegte Kampagne mit mehr als hundert gut bezahlten Mitarbeitern auf die Beine und richtete Dutzende Büros ein. Allein knapp 300.000 Dollar pro Monat wurden für Privatjets ausgegeben. Etwa hundert Millionen Dollar Spendengelder hatte das Team für 2008 veranschlagt.

McCain machte sich bei republikanischen Wählern unbeliebt

Doch das Geld floss nicht. In der ersten Jahreshälfte kamen nur 25 Millionen Dollar zusammen, von denen mehr als 23 Millionen ausgegeben sind - ein Offenbarungseid. Mit seiner Unterstützung für die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush hatte McCain die kriegsmüden Wähler der Mitte verprellt. Und sein Eintreten für Bushs Zuwanderungsreform, die Millionen illegalen Einwanderern zu einem Aufenthaltsrecht verholfen hätte, brachte McCain um die Gunst der konservativen Kernwählerschaft.

Wegen der ausbleibenden Mittel musste McCain seine Kampagnenchefs und etwa die Hälfte des Mitarbeiterstabs entlassen. "Ich hatte schon schwerere Tage im Leben", sagte er am Wochenende tapfer. Aufgeben will der Senator, der fünf Jahre Kriegsgefangenschaft in Vietnam überlebte, nicht. McCain ist 70 Jahre alt, eine weitere Chance aufs Weiße Haus wird er wohl nicht bekommen.

Vize-Feuerwehrchef: Giuliani verdreht die Wahrheit

An der Spitze steht in Umfragen ohnehin Rudolph Giuliani, dessen Kampagne auf sein Krisenmanagement nach den Anschlägen vom 11. September 2001 setzt. Vorwürfe von Angehörigen der hoch angesehenen New Yorker Feuerwehr lassen ihn allerdings seit ein paar Tagen in einem weniger schmeichelhaften Licht da stehen. Diese kritisierten öffentlich, als Bürgermeister habe er der Feuerwehr die Anschaffung modernen Geräts verweigert, das bei den Anschlägen das Leben von Feuerwehrleuten hätte retten können.

"Wir wollen den Amerikanern zeigen, wie dieser Mann wirklich ist, wie arrogant er ist, wie sehr er die Wahrheit verdreht", sagte New Yorks Vize-Feuerwehrchef Jim Riches. Giuliani habe die Tragödie des 11. Septembers zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Der Politiker weist die Vorwürfe zurück. Er sieht darin ein Komplott der Feuerwehrgewerkschaft IAFF.

Profiteur der republikanischen Kandidaten-Malaise könnte der Serienschauspieler und frühere Senator Fred Thompson sein, der in manchen Umfragen schon an Giuliani herankommt. Bislang hat Thompson seinen Hut noch nicht in den Ring geworfen: Sein Team verschob die Ankündigung von Mitte Juli auf September - aus Mangel an Wahlkampfspenden, wie US-Medien spekulieren. (mit AFP)

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