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US-Wahlkampf : Jeb Bush twittert Foto seiner Pistole - und nennt das Amerika

Jeb Bush will US-Präsident werden. Als Symbol für die Vereinigten Staaten hat er jetzt seine Waffe getwittert. Das kam nicht nur gut an.

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Dieses Bild einer Pistole twitterte Jeb Bush am Dienstag.
Dieses Bild einer Pistole twitterte Jeb Bush am Dienstag.Foto: Jeb Bush/Twitter

Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner wird seit Monaten mit der Holzhammer-Methode geführt. Donald Trump ist keine Beleidigung zu niederträchtig, kein Gerücht zu perfide, kein Angriff zu schäbig, um nicht gegen Konkurrenten, Minderheiten oder gleich ganze Staaten zu hetzen. Und er hat bisher damit Erfolg, liegt in den Umfragen vorn, dominiert die öffentliche Debatte mit immer neuen Provokationen.

Nun zieht Jeb Bush nach. Der jüngere Bruder von Ex-Präsident George W., früh als eher gemäßigter Favorit gehandelt, nun aber abgeschlagen, versucht plötzlich nach Trump-Art Boden gutzumachen - und zwar als Hardliner mit Pistolero-Methode. Am Dienstag teilte er bei Twitter ein Foto, das für heftige Reaktionen sorgte: das Bild einer abgelegten Handfeuerwaffe, mit der schlichten Gravur "Gov. Jeb Bush" auf dem Lauf und dazu dem knappen Kommentar: "America." Auch dieser Mann möchte Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten nachfolgen.

Nach 20 Minuten kam ein prominenter Rat aus Moskau: "Löschen Sie Ihren Account", empfahl Edward Snowden. Die übrigen Reaktionen reichten - nebst Jubel seiner Fans - von Entsetzen über Sarkasmus bis Gaga-Humor, ganz der, sagen wir, verkürzten Ansage Bushs entsprechend. "Wir wissen, dass du verlierst, Jeb, aber Suizid ist nicht die Antwort", hieß es etwa. "Los, geh malen mit Georgie." Auch als trauriger Ausdruck von Männlichkeitsphantasien wurde der Tweet gedeutet oder gleich als Viagra-Ersatz eines schwächelnden Bewerbers. Bittere Erinnerungen an Amokläufe an US-Schulen wie 2012 an der Sandy-Hook-Grundschule wurden ebenfalls wach. Immer gern gesehene Gegenöffentlichkeit im Netz: Katzenfotos, in diesem Fall vom kleinen Bruder auf der anderen Seite des Atlantiks geschickt - mit der unmissverständlichen Botschaft: "Britain."

So hat es ein Mann, von dem zuletzt kaum noch die Rede war, zumindest für einige Stunden in die Twitter-Trends geschafft. Hätte er doch nur auf seinen Bruder gehört, der erst am Montag für ihn in den Wahlkampf eingestiegen war. "Und lassen Sie mich sagen, was Stärke nicht ist", hatte der kleine Bush den älteren danach noch bei Twitter zitiert. "Es ist kein Getöse, keine Theatralik. Wahre Stärke, Entschlusskraft, kommt von Integrität und Charakter."

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