US-Wahlkampf : Obama legt zu, Palin wird persönlich

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama baut seinen Vorsprung aus. Die Kampagne seiner republikanischen Konkurrenten wird persönlich: John McCains Vize wirft dem Senator vor, er pflege Freundschaft zu einem ehemaligen Terroristen.

Christoph von Marschall
Sarah Palin
Wird persönlich: John McCains Vize Sarah Palin wirft Barack Obama Kontakte zu Terroristen vor. -Foto: dpa

WashingtonUnter dem Eindruck einer starken Verschiebung zugunsten Barack Obamas in wahlentscheidenden "Swing States" verschärfen der Republikaner John McCain und seine Vizekandidatin Sarah Palin die persönlichen Angriffe. Palin warf Obama vor, "er hält Amerika für so unvollkommen, dass er sich mit Terroristen anfreundet". Zu Wählern in Colorado sagte die 44-Jährige: "Obama sieht Amerika nicht so wie du und ich - nämlich als die stärkste Kraft des Guten in der Welt."

Der Vorwurf der Freundschaft mit einem Terroristen bezieht sich auf Bill Ayers, Professor für Pädagogik an der Universität von Chicago, Obamas Heimatstadt. 1969 gehörte Ayers zu den Mitgründern der radikalen Gruppe Weathermen, die in den 70er Jahren aus Protest gegen den Vietnamkrieg Bombenanschläge auf das Pentagon, das Capitol und andere öffentliche Gebäude plante. Offiziell wollte sie sich auf "Gewalt gegen Sachen" beschränken. Als bei einer Explosion drei Menschen ums Leben kamen, tauchte Ayers für zehn Jahre ab. Später stellte er sich den Behörden. Der Prozess gegen ihn endete ohne Verurteilung, da die Strafverfolger Vorschriften missachtet hatten. Der 1961 geborene Obama war in jenen Jahren ein Kind und lebte erst in Indonesien, dann in Hawaii.

Kein enger Kontakt, aber man kennt sich

Ayers promovierte 1987 in Pädagogik und wurde Professor in Chicago, wo Obama Mitte der 90er Jahre Verfassungsrecht lehrte. Sie begegneten sich, so sagen Obamas Sprecher, erstmals 1995 in einem Komitee, das über die Verwendung einer privaten Millionenspende für das Bildungswesen entschied, die "Chicago Annenberg Challenge". Als Obama sich 1996 um ein Landtagsmandat in Illinois bewarb, hielt Ayers eine Wahlkampfveranstaltung für ihn bei sich zu Hause ab. In jüngerer Zeit hatten die beiden laut Obama keinen engeren Kontakt, seien sich aber auf der Straße begegnet, da beide im Universitätsviertel wohnen.

Die "New York Times" hatte in ihrer Samstagsausgabe Bill Ayers Lebensgeschichte und seine Kontakte zu Obama ausgebreitet. Sie wusste offenbar, dass McCain hier Munition suchte. Der Republikaner hatte am Freitag mit Blick auf die nächste Fernsehdebatte gegen Obama am Dienstag angekündigt, es sei "Zeit, die Handschuhe auszuziehen" und "ein bisschen härter zu werden".

McCain sieht sich in der Defensive

Im Vorwahlkampf um die Kandidatur im Frühjahr hatten sowohl McCain als auch die Demokratin Hillary Clinton Obama eine zu große Nähe zum "Terroristen" Ayers vorgehalten. In Chicago gilt Ayers als rehabilitierter Ex-Radikaler. "Er hat eine Menge Gutes getan", sagte Bürgermeister Richard Daley vor wenigen Tagen. Wähler der politischen Mitte im übrigen Land haben dagegen wenig Verständnis für Gewalt gegen die Symbole der US-Demokratie.

McCains Kampagne sieht sich in der Defensive. Während sich die Finanzkrise in den jüngsten drei Wochen verschärfte, ist Obama in den Umfragen immer weiter nach vorne gerückt und hat vor allem in den mehr als ein Dutzend "Swing States", in denen traditionell die Mehrheiten für die Lager wechseln, Boden gutgemacht. Würde jetzt gewählt, wäre Obama der sichere Sieger - sofern die Umfragen richtig liegen.

Demokraten fürchten Charakterangriffe der Republikaner

Die generelle Ausgangslage: McCain wird Präsident, wenn er die Staaten hält, die George W. Bush 2004 gewann. Obama muss die Staaten verteidigen, in denen John F. Kerry 2004 siegte, und ein bis zwei dazugewinnen. Nach aktuellen Umfragen liegt Obama in neun Staaten vorn, die 2004 für Bush stimmten, darunter Florida, Virginia, Ohio, Colorado und New Mexiko. Umgekehrt kämpft McCain um Staaten, die 2004 demokratisch wählten, um eventuelle Verluste anderswo auszugleichen. Nur in vier davon ist er Obama auf den Fersen: Pennsylvania, New Hampshire, Wisconsin und Minnesota. Auch dort führt aber Obama. Den Kampf um Michigan hat McCain nach Medienberichten aufgegeben.

Viele Demokraten leben in Angst, dass die Republikaner durch Charakterangriffe eine Wahl entscheiden könnten. 2004 trug die "Swiftboat"-Kampagne zu Kerrys Niederlage bei. Darin hatten Konservative Kerrys Ruf als Führer eines Patrouillenboots im Vietnamkrieg angezweifelt und ihn als patriotisch unzuverlässig dargestellt.

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