US-Wahlkampf : Obama und Romney kämpfen um Ohio

Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Als wahlentscheidend gelten die so genannten Swing States, allen voran Ohio. Entlang der Kernthemen Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum liefern sich Romney und Obama dort ein erbittertes Rennen.

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Patriotismus und Arbeitsplätze. Obama wirbt im krisengeplagten Ohio für sein Arbeitsmarktprogramm.
Patriotismus und Arbeitsplätze. Obama wirbt im krisengeplagten Ohio für sein Arbeitsmarktprogramm.Foto: dpa

Krawatte und Anzug hat er in Washington gelassen. Bei der Bustour durch Ohio trägt Barack Obama ein kurzärmeliges, blaugrau kariertes Hemd und Khaki-Hosen. Im Walcott Freilichtmuseum spricht er vor Arbeitern aus der nahen Chrysler-Fabrik, wo der Wrangler Jeep produziert wird, und ihren Familien. „Wir haben Amerikas Autoindustrie gerettet“, erinnert er das Publikum. Wäre es nach dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney gegangen, hätte es keine Hilfen aus der Staatskasse gegeben, und Chrysler wäre Pleite. Jetzt kämpft der Präsident gegen „Chinas unfaire Importzölle für amerikanische Autos“ und verteidigt so die Arbeitsplätze hier rund um die Industriestadt Toledo.

„We love you!“, skandiert das Publikum. Eine Frau ruft: „Wo ist Michelle?“ Obama lacht: „Ich bin nur die zweite Geige? Sie wird bald zu Euch kommen.“ Dann setzt er die Attacken auf Romney und dessen Wirtschaftsrezepte fort. Als Investmentmanager habe der gedrängt, Kosten zu reduzieren – und damit Jobs abgebaut oder ins Ausland exportiert. Heute wollten die Republikaner niedrigere Steuersätze für die Superreichen!

Knapp vier Monate bis zum Wahltag am 6. November. Obama hat sich auf seiner Bustour durch Ohio und Pennsylvania zu einfachen Bürgern im „Kozy Corners Diner“ in Oak Harbor gesetzt und beim „Ice Cream Social“ in Sandusky Abkühlung von der Sommerhitze gesucht. Am Dienstag warb er in Cedar Rapids, Iowa, um Wählerstimmen. Mitt Romney ist derweil in Colorado unterwegs und meint, dass er die besseren Rezepte für die Wirtschaft habe. Obama habe „nie im Private Business gearbeitet“. Der war „Sozialarbeiter“ und habe vor allem „gelernt, wie man Geld ausgibt“. Ganz besonders wirbt Romney um Latinos; sie können in Colorado zum Zünglein an der Waage werden.

Bildergalerie: Die Geschichte Obamas

Barack Obama
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29.07.2009 08:294. August 1961: Der kleine Barack Obama wird geboren. Sein Vater, Barack Obama Senior, ist Kenianer und ein Angehöriger des...

Der Wahlkampf konzentriert sich auf etwa ein Dutzend „Swing States“, die mal demokratisch, mal republikanisch stimmen und den Ausschlag geben. Von den meisten der 50 Bundesstaaten weiß man, dass sie garantiert demokratisch stimmen werden wie New York, Massachusetts, Kalifornien, Oregon, Hawaii – oder garantiert republikanisch wie Texas, fast alle Südstaaten, die Farmstaaten in der Mitte des Riesenlandes sowie Alaska. Mit persönlichen Auftritten etwas bewegen können Obama und Romney nur in den zwölf „Battlefield“-Staaten Colorado, Florida, Iowa, Michigan, Nevada, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Virginia, Wisconsin. Dort werden sie in den nächsten Wochen je hundert Millionen für Werbung in Fernsehen und Radio ausgeben.

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Vorwahlkampf der US-Republikaner
Am 2. Mai steigt Newt Gingrich offiziell aus dem Vorwahlkampf der Republikaner aus.Weitere Bilder anzeigen
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03.05.2012 12:34Am 2. Mai steigt Newt Gingrich offiziell aus dem Vorwahlkampf der Republikaner aus.

Als Schlüssel gilt Ohio. Bei den letzten zwölf Präsidentschaftswahlen galt: Wer hier gewinnt, wird Präsident. 2008 siegte Obama mit vier Prozentpunkten Vorsprung. 2010 wurde jedoch der Republikaner John Kasich Gouverneur und ließ den demokratischen Amtsinhaber Strickland 2,7 Prozentpunkte hinter sich. Wirtschaft und Arbeitsplätze sind das wichtigste Thema in Ohio. Wegen der Konstellation – demokratischer Präsident, republikanischer Gouverneur – tobt ein erbitterter Streit, wem Erfolge oder Misserfolge zuzurechnen sind. Wie in vielen anderen Swing States war Ohio von der Wirtschaftskrise stärker betroffen als die USA insgesamt. Der Staat hat sich aber auch besser von der Rezession erholt. Obama interpretiert das als Erfolg seiner Politik. Die Republikaner widersprechen. Die Besserung sei auf die Wahl von Kasich zum Gouverneur zurückzuführen. Er habe begonnen, den überschuldeten Haushalt zu sanieren.

In Ohio und der Mehrzahl der „Swing States“ liegt Obama laut Umfragen knapp vorne, aber diese Führung bewegt sich innerhalb der Fehlerquote solcher Erhebungen. Mitt Romney bekommt zudem deutlich mehr Wahlkampfspenden: allein 106 Millionen Dollar im Juni, bei Obama waren es 71 Millionen Dollar. Ohio steht vor einem heißen Wahlkampfsommer.

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