US-Wahlkampf : Republikaner läuten historische Mission ein

Der Spitzenkandidat der US-Republikaner für die Präsidentschaftswahl, John McCain, ist am Dienstagabend von seinen Parteikollegen hoch gelobt worden. Auffallend zurückhalten gab sich dabei allerdings der amtierende Präsident George W. Bush.

Lars von Törne

St. Paul (Minnesota)Es war die Stunde der Veteranen. Die US-Republikaner haben am Dienstagabend ihren Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl, John McCain, als erfahrenen Patrioten und historischen Helden, als mutigen Macher und als eigenwilligen Querdenker präsentiert. Der 71-Jährige habe in seinem langen Leben alle Qualitäten bewiesen, die ihn dazu befähigten, die USA zu führen.

Dabei griffen die Republikanischen Parteitagsstrategen am ersten regulären Abend ihres Nominierungsparteitages in St. Paul (Minnesota) umfassend auf die amerikanische Geschichte zurück. Videoclips über die historischen Präsidenten Lincoln, Roosevelt, Reagan und den als Ehrengast im Xcel-Stadion anwesenden George H.W. Bush endeten jeweils mit dem Slogan, den sich McCain als Motto gewählt hat: "Country first" - das Land zuerst.

In einem guten Dutzend Reden priesen ergraute Politiker, Armeeveteranen und Unternehmer McCain als Politiker, der sich stets mehr für sein Land als für seine Partei eingesetzt habe. Der Kandidat selbst blieb den Lobreden fern. Er soll am Donnerstagabend als Kandidat für die US-Präsidentschaftswahl im November nominiert werden und wird erst dann auf dem Parteitag erwartet.

Bush lob einstigen Gegner McCain als "großartigen Amerikaner"

Ebenfalls nicht persönlich abwesend, aber mit den Parteitagsdelegerten zumindest per zehnminütiger Videoschaltung verbunden war der amtierende US-Präsident. George W. Bush steuerte eine bemerkenswert kurze und im Vergleich zu den anderen Rednern zurückhaltende Ansprache aus dem Weißen Haus bei, in der er seinen einstigen innerparteilichen Gegner und möglichen Nachfolger McCain als "großartigen Amerikaner" lobte.

Mit Verweis auf McCains Kriegsgefangenschaft in Vietnam und die dort erlittene Folter pries Bush den Kandidaten als standhaften Patrioten: "Seine Arme wurden gebrochen, nicht seine Ehre." Und er lobte, daß McCain sich kürzlich dafür eingesetzt habe, die US-Truppen im Irak zu verstärken und damit zu einer von der US-Regierung als erfolgreich bewerteten Aufstandsbekämpfung beizutragen - "gegen den Widerstand der Demokraten". Dann dankten George W. und seine persönlich im Saal anwesende Frau Laura Bush den Republikanern - und den per Abendnachrichten zugeschalteten Amerikanern - für ihre Unterstützung in den vergangenen acht Jahren, als sei dies schon ihre Abschiedsveranstaltung.

Die persönlichste und mit dem größten Beifall bedachte Rede kam an diesem Abend von Fred Thompson, dem ehemaligen US-Senator, der sich auch als Schauspieler und Radiomoderator einen Namen gemacht hat. Er schilderte zahlreiche Beispiele aus McCains militärischer und politischer Biographie, die den Kandidaten als charakterstarken, rebellischen, immer seinem Land verpflichteten Mann präsentierten. Mehrmals stellte er Bezüge zwischen McCains Erfahrungen als Soldat in den 60er Jahren und dem Einsatz heutiger US-Soldaten in Irak und Afghanistan her. "Wer McCain verstehen will, der sollte auf die Soldaten schauen, die heute eine Uniform tragen", sagte Thompson unter langem Jubel der Delegierten und vieler als Ehrengäste anwesender Veteranen.

Ex-Demokrat Liebermann kritisiert Obama

Eine andere Seite McCains beleuchtete der Schlussredner des Abends, der von den Demokraten zu den Republikanern gewechselte Senator Joe Liebermann. Er appellierte an die Delegierten und an zuhörende Demokraten, gemeinsam die Probleme des Landes zu bekämpfen, anstatt einander. Dann holte er allerdings selbst zu einigen Attacken gegen seine einstigen Parteifreunde aus. Deren Spitzenkandidat Barack Obama - der sonst auf dem Parteitag direkt kaum erwähnt wurde - sei zwar "begabt und talentiert" - aber Eloquenz sei kein Ersatz für eine erfolgreiche Biografie voller Lebenserfahrung und Leistung, wie sie John McCain vorweisen könne. Obama habe im Gegensatz zu McCain nie die Hand ausgestreckt, um als Senator überparteiliche Lösungen für politische Herausforderungen zu finden. Und Obama habe sich im Gegensatz zu McCain für einen Abbau der im Irak stationierten Truppen eingesetzt - was die Delegierten mit einem lauten Buh-Chor quittierten.

Keine Rolle in den offiziellen Reden spielte derweil ein Thema, das auf den Fluren rund um den Veranstaltungssaal zu den meistdiskutierten dieses Parteitages gehört: Die möglichen politischen Auswirkungen der unehelichen Schwangerschaft der Tochter von McCains Favoritin für die Kandidatur zur Vize-Präsidentschaft, Sarah Palin. Mehrere Redner erwähnten Palins Namen und lobten ihre politische Führungsstärke als Governeurin Alaskas - ihre Familie wurde in den offiziellen Reden kein einziges Mal thematisiert.

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