US-Wahlkampf : Schauspieler Fred Thompson will Präsident werden

Millionen Amerikaner kennen Fred Thompson als kantigen New Yorker Ermittler in der Erfolgsserie "Law & Order". Jetzt will er für das Amt des US-Präsidenten kandidieren - für die Republikaner.

FRED THOMPSON
Natürlich im Fernsehen: Fred Thompson gibt seine Kandidatur in der Talkshow von Jay Leno bekannt. -Foto: AFP

Ein Schauspieler probt die Rolle seines Lebens. Fred Thompson will Präsident der USA werden, nicht im Film, sondern ganz real. In der Nacht kündigte der 65-Jährige offiziell seine Bewerbung für die Kandidatur der Republikaner an - in einer Fernsehshow, so wie es sich für einen Filmstar gehört. "Ich bin überzeugt, dass ich das Richtige tue, und ich tue es aus Liebe zu meinem Land", sagte er. Bühne frei für Thompson: Umfragen räumen dem Zwei-Meter-Mann durchaus Chancen ein.

"Eine sehr amerikanische Geschichte"

Eigentlich ist Fred Thompson schon alles gewesen: Zu seinen Filmrollen zählen CIA-Chef und Geheimagent, Starermittler und - es wirkt inzwischen fast wie eine Generalprobe - Präsident der USA. Ins Filmgeschäft war der studierte Jurist eher beiläufig gestolpert, als ein Regisseur bei einem Interview in der 70er Jahren sein Bühnentalent erkannte und ihm seine erste Rolle besorgte. Thompson wirkte in TV-Serien und in Thrillern wie "Stirb Langsam" mit. Von 1994 bis 2003 spielte er schon einmal auf der politischen Bühne, er vertrat seinen Heimatstaat Tennessee als Senator in Washington. "Meine Geschichte ist eine sehr amerikanische Geschichte", sagt er zu seinem Lebensweg.

Mit seinem Hollywood-Ruhm wirft Thompson etwas Glanz auf eine Kandidatenriege, die auf republikanischer Seite bislang nicht besonders kräftig strahlt. Pikanterweise tat Thompson seine Bewerbung am gleichen Abend vor dem Show-Publikum kund, als sich die anderen acht republikanischen Bewerber auf einem anderen Sender eine 100-minütige nüchterne TV-Debatte lieferten - ohne Thompson, was ihm den Vorwurf der Drückebergerei einbrachte. "Komm in die Arena, Fred", forderte ihn Gegenkandidat John McCain auf.

Platz zwei hinter Giuliani

Monatelang hatte Thompson mit einer Kandidatur kokettiert, ohne sie tatsächlich zu erklären. "Durch seinen späten Einstieg in das Rennen vermittelte er geschickt den Eindruck, dass er der Retter der Partei ist", urteilt Dan Shea, Politikprofessor an der Allegheny-Universität in Pennsylvania. Einen Retter ersehnen sich viele bei den Republikanern. Die Stimmung ist nicht gut. Ihr unpopulärer Präsident George W. Bush hinterlässt ein schweres Erbe, das den gegnerischen US-Demokraten großen Zulauf beschert.

Keiner der anderen Bewerber um die Kandidatur hat die Republikaner bislang begeistern können: Das schafft ein politisches Vakuum, das Quereinsteiger wie Thompson füllen könnten. In Umfragen steht er auf Platz zwei hinter dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. Giuliani ist kein unschlagbarer Gegner: Vielen Republikanern ist er nicht konservativ genug und deshalb ein wenig suspekt.

Gegen Einwanderung, für Waffenbesitz

Thompson aber steht für das, was Konservative als traditionelle Werte sehen: Er ist vehement für den Verbleib der US-Truppen im Irak, gegen Abtreibung, gegen Einwanderung, für den Privatbesitz von Feuerwaffen und Steuersenkungen. Er werde als Präsident all jene Extremisten ohne Gnade bekämpfen, die "die USA und ihre Verbündeten in die Knie zwingen und hunderttausende Unschuldige töten wollen", sagt er in seinem ersten Wahlkampfvideo auf seiner Internetseite.

Thompson steht ein Wahlkampf im Eiltempo bevor: Nur vier Monate hat er bis zu den ersten Vorwahlen der Partei. Gleich nach seinem Show-Auftritt wolle er zu einer Tour in den wichtigen Vorwahlstaat Iowa reisen. In den Wochen vor seiner Ankündigung lief nicht alles glatt für Thompson. Seine Mitbewerber sind ihm beim Spendensammeln weit voraus, und mehrere Berater sprangen kürzlich ab - angeblich im Streit mit seiner ehrgeizigen, 25 Jahre jüngeren Frau. Kritiker bemängeln, als Senator sei er nicht gerade durch großen Fleiß aufgefallen. In den kommenden Wochen wird er beweisen müssen, dass er nicht nur auf der Leinwand eine gute Figur abgibt. (mit AFP)

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