US-Wahlkampf : Welche Politik steht zur Wahl?
24.10.2012 10:07 UhrÄußeres und Sicherheit
Wahlen in westlichen Demokratien entscheiden sich meist an der gefühlten Lage im Portemonnaie und fast nie an der Außenpolitik. Und doch war die dritte Fernsehdebatte, die offiziell Amerikas Rolle in der Welt gewidmet war, ein Ohrenöffner. Der Republikaner Mitt Romney redete überraschend zahm und konterkarierte damit seine Wahlkampfrhetorik. Bisher war Obama für ihn ein schwacher Präsident, der die Schuld daran trage, dass die Bösewichter keinen Respekt mehr vor den USA haben und deren Militär nicht mehr fürchten. Obama entschuldige sich ständig für Amerikas angebliche Fehler und wolle den Verteidigungsetat bedrohlich kürzen.
In der Nacht zu Dienstag warb der Republikaner für die mühsame Bildung von Allianzen, lobte die Vereinten Nationen und zeigte Verständnis für Pakistan. In der Außenpolitik wolle er nicht alles anders, aber vieles besser machen
So hatte Obama wenig Gelegenheit, seinen Lieblingsangriff vorzutragen: Romney wolle zurück zu Bushs Außenpolitik.
Er konnte nur immer wieder betonen, dass Romney in der Debatte weichere Positionen vertrete als zuvor im Wahlkampf. Das Rededuell ergab wenig greifbare Unterschiede für die Außenpolitik der nächsten Jahre. Weder Romney noch Obama will in Syrien eingreifen. Gegen den Iran sollen Sanktionen helfen, Krieg sei nur das allerletzte Mittel. Beide nennen China einen Partner, keinen Gegner. Beide loben den Drohneneinsatz gegen Terroristen.
Reaktionen auf das TV-Duell(6 Bilder)
Immer wieder versuchten sie, die Debatte in die Innen- und Wirtschaftspolitik zu verlagern. Erstens interessiert das die Wähler mehr. Zweitens fühlt Romney sich dort wohler. Über weite Strecken war unüberhörbar: Der Präsident beherrscht nach vier Amtsjahren die Details und Nuancen; der Herausforderer muss sich erst einarbeiten. Drittens ist beiden bewusst, dass man ohne eine starke ökonomische Basis daheim weder eine starke Außenpolitik noch ein starkes Militär finanzieren kann. Amerikas Führungsrolle, argumentierten beide, lasse sich nur durch „Nation building at home“ garantieren. Die USA haben über zu viele Jahre zu viel Geld für Kriege im Ausland ausgegeben.
Alles in allem war Obama bei der letzten Debatte im Vorteil. Nach der CNN-Blitzumfrage hat er mit 48 zu 40 Prozent gewonnen. Im Durchschnitt aller Umfragen jedoch lag Romney zumindest vor dem Duell knapp vorne. Er hat den „Commander in Chief“-Test bestanden. Amerika muss sich nicht davor fürchten, dass er Präsident und Oberbefehlshaber wird.






















