US-Wahlkampf : Wer patzt zuerst?

Die Vizepräsidentschaftsbewerber Joe Biden und Sarah Palin sind für ihre Patzer bei öffentlichen Auftritten berühmt. Vor dem TV-Duell der beiden in der Nacht zum Freitag spekulieren US-Medien, wer den schlimmern Patzer gehen wird.

Christoph von Marschall
Palin und Biden
Vor dem TV-Duell der Vizepräsidentschaftsbewerber in der Nacht zum Freitag in St. Louis, Missouri. -Getty

WashingtonVor der einzigen TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten in der Nacht zum Freitag in St. Louis, Missouri, erörtern US-Medien die mutmaßlichen Schwächen von Sarah Palin und Joe Biden mehr als deren Stärken. Die Republikanerin hat in zwei ihrer drei Fernsehinterviews einen erstaunlichen Mangel an Sachkenntnis bei den beherrschenden Themen, der Wirtschaftskrise und der Außenpolitik, offenbart und den Spott der Satiresendungen geerntet. Kommentatoren der Zeitungen und Wochenmagazine stellten ihre Eignung für das zweithöchste Staatsamt in Frage. Einige konservative Politiker meinten, John McCain solle seine Vizekandidatin zurückziehen.

Auch der Demokrat Biden ist für spontane Aussagen berüchtigt, die unbedacht wirken. Er wetterte gegen die Rettung des Finanzriesen AIG durch den Staat, als Barack Obama sie befürwortete. Ein Werbevideo Obamas gegen McCain nannte er „fürchterlich“. Als ein Bürger bei einem Wahlkampftermin in New Hampshire Hillary Clinton kritisierte, verteidigte Biden sie nicht nur, sondern sagte: „Ehrlich gesagt wäre sie wohl die bessere Wahl gewesen als ich.“ Die Republikaner zitieren den Satz genüsslich.

Wer also wird den schlimmeren Patzer begehen, fragen die Medien. Palin, heißt es, sei das größere Risiko bei Sachaussagen. Biden könne die Debatte verlieren, wenn er die 21 Jahre jüngere Frau belehrend oder arrogant behandele. Der Name McCain wird in der Debatte öfter fallen als der Name Obama. Palin beschwört McCains Patriotismus und Führungsqualitäten. Demokraten betonen, mit der Wahl Palins habe McCain schlechtes Urteilsvermögen bewiesen und Wahlkampfkalkül in verantwortungsloser Weise über das nationale Interesse gestellt. Die Gouverneurin von Alaska spaltet die Wähler. Republikaner sehen eine warmherzige Frau, Demokraten eine bigotte Provinzlerin, die weder die Reichweite der US-Politik begreift noch in der Lage ist, verständlich darüber zu sprechen.

Palin wird von Journalisten ferngehalten

McCains Team schottet sie von Journalisten ab. In den fünf Wochen seit der Nominierung hat sie noch keine Pressekonferenz gegeben und nur drei TV-Interviews. Darin begründete sie ihre außenpolitische Kompetenz mit Alaskas Nähe zu Russland: „Wenn Putin den Kopf erhebt und in den amerikanischen Luftraum kommt, wo gehen sie hin? Alaska. Und von Alaska senden wir jene aus, die sicherstellen, dass diese mächtige Nation, Russland, beobachtet wird. Die liegen da gleich neben unserem Staat.“

Auf die Frage, ob sie das 700 Milliarden Dollar teure Rettungspaket für die Finanzbranche unterstütze, gab sie eine ebenfalls schwer verständliche Antwort: „Es macht mich krank, dass die, die uns das eingebrockt haben, nach dem Steuerzahler rufen. Aber am Ende hilft das Rettungspaket denen, die sich Sorgen machen um die Gesundheitsreform. Und die brauchen wir dringend, um unsere Wirtschaft auf die Beine zu bringen, um zu helfen. Es muss natürlich vor allem um Schaffung neuer Jobs gehen, und auch um das Ankurbeln der Wirtschaft. Also Reform der Krankenversicherung und Steuern senken und Staatsausgaben einschränken, und das muss einhergehen mit Steuersenkungen und Steuererleichterungen für die Amerikaner. Und Handel müssen wir als Chance begreifen, nicht als Furcht einflößenden Wettbewerb. Und das alles unter dem Schirm der Schaffung neuer Jobs. Und das Rettungspaket ist ein Teil davon.“ Videos mit der Palin-Imitatorin Tina Fey gehören jetzt zu den populärsten im Internet.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben