Politik : US-Wahlkrimi: Vollständige Neuauszählung in ganz Florida?

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore bereitet nach Angaben der Zeitung "Los Angeles Times" einen Vorschlag vor, wie der Streit um das knappe Wahlergebnis im US-Bundesstaat Florida beigelegt werden könnte. In ihrer Dienstagausgabe berichtet die Zeitung, Gore könnte demnach seinem republikanischen Konkurrenten George W. Bush einen Verzicht auf eine Anfechtung des Ergebnisses anbieten, wenn sich Bush im Gegenzug mit einer vollständigen Neuauszählung des Ergebnisses in ganz Florida per Hand einverstanden erklärt. Gore habe den Vorschlag Bush noch nicht unterbreitet, heißt es in dem Bericht. Ein Berater Bushs wird mit den Worten zitiert, in dessen Wahlkampfteam habe es bereits ähnliche Überlegungen gegeben.

In Florida wird derzeit wegen des knappen Ergebnisses bei der Präsidentenwahl am 7. November in mehreren Bezirken von Hand nachgezählt. Es wird davon ausgegangen, dass die Ergebnisse in diesen Bezirken eher Gore zugute kommen. Bush hatte nach der bisherigen, maschinellen Zählung dagegen in ganz Florida eine knappe Mehrheit. Wer in Florida die Mehrheit gewinnt, erhält die 25 Stimmen des Bundesstaates im Wahlmännerkollegium, das am 18. Dezember den Nachfolger von Präsident Bill Clinton bestimmt. Diese Stimmen sind nach dem derzeitigen Stand der Auszählung wahlentscheidend. Nach dem vorläufigen Ergebnis der zweiten Stimmenauzählung liegt der republikanische Kandidat George W. Bush in Florida derzeit mit 288 Stimmen vor Gore.

In einem Wahlbezirk in Florida wurde indes die Handauszählung wieder gestoppt. Nach der Neuauszählung von annähernd einem Prozent der Wahlzettel seien lediglich vier zusätzliche Stimmen auf einen der beiden Kandidaten entfallen, teilte die Wahlkommission im Bezirk Broward in der Nacht zum Dienstag mit. Dieser geringe Unterschied könne eine vollstände Handauszählung der mehr als 500 000 Wahlzettel nicht rechtfertigen.

Um die Auszählung der Stimmen zur US-Präsidentenwahl wird nicht nur in Florida gestritten. Auch in fünf anderen Staaten ist das Ergebnis knapp. Auch dort wurde inzwischen festgestellt, dass Stimmen falsch ausgezählt oder Zahlen falsch gelesen wurden. Es ist möglich, dass eine der beiden Seiten hier ebenfalls eine Nachzählung beantragen wird.

In Iowa führte der demokratische Kandidat, Vizepräsident Al Gore, zuletzt nur noch mit 4285 bei 1,3 Millionen abgegebenen Stimmen. Sein Vorsprung verringerte sich während der Auszählung von Briefwählerstimmen. Sie sollte am Dienstag abgeschlossen sein. Bis Freitag können die Parteien Beschwerde einlegen.

In New Mexico, wo die Vertreter des Republikaners George W. Bush Urnen von der Polizei hatten sicherstellen lassen, führte dieser mit 126 Stimmen. Allerdings waren in einem Bezirk 500 Stimmen für Gore übersehen worden. Dort waren zunächst 600 Stimmen für Gore festgestellt worden, allerdings wurde die Sechs dann als eine Eins gelesen, so dass nur 100 Stimmen notiert wurden. Das endgültige Ergebnis soll am 28. November vorliegen. Innerhalb von sechs Tagen kann Einspruch erhoben werden.

In Oregon lag Gore zuletzt mit 4765 bei 1,4 Millionen abgegebenen Stimmen in Front. Sein Vorsprung schmolz dabei leicht in der Auszählung der Briefwählerstimmen. 23 000 Stimmen waren noch auszuzählen. Es muss neu ausgezählt werden, wenn Gores Vorsprung unter 2800 Stimmen fällt, was aber nicht erwartet wird.

In Wisconsin führte Gore mit 6099 Stimmen. Hier wurden 2,5 Millionen Stimmen abgegeben. Das Endergebnis soll am Freitag vorliegen. Hier lagen nach Angaben der Republikaner mehrere Beschwerden vor. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sie eine Neuauszählung beantragen wollten.

In New Hampshire führte Bush mit 7068 Stimmen. Dort wurden bei Kontrollzählungen zwar Unregelmäßigkeiten festgestellt, keine Partei beantragte aber eine Neuauszählung.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar