Politik : USA: Amerikaner forschen an neuer Biowaffe

Die Vereinigten Staaten haben Forschungen zur Nutzung von Milzbrand als biologische Waffe eingeräumt. Seit vier Jahren entwickele das Verteidigungsministerium neue Arten von Milzbranderregern, sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke am Dienstag (Ortszeit). Dies geschehe jedoch zu "rein defensiven Zwecken". Ziel sei es, einen wirksamen Impfstoff gegen die Biowaffe zu entwickeln. Zugleich gab das Verteidigungsministerium bekannt, das US-Atomwaffenarsenal auch ohne Abstimmung mit Russland nach Bedarf reduzieren zu wollen.

Nach Angaben der Sprecherin wurde das Projekt zu Milzbrand (Anthrax) 1997 unter US-Präsident Bill Clinton angestoßen, nachdem ein Wissenschaftsmagazin über eine in Russland entwickelte Art des Erregers berichtet hatte. Zwar habe die US-Regierung versucht, an die neu entwickelte Anthrax-Art zu kommen, dies sei aber erfolglos gewesen. Das US-Projekt verstoße nach Ansicht der Regierung nicht gegen das Biowaffen-Verbot von 1972, unterstrich Clarke. Bereits jetzt verfügten die USA über ein Gegenmittel zu einer verbreiteten Milzbrand-Kultur, doch wollten sich die USA gegen "Überraschungen" wappnen. Geplant sei nur die Produktion einer kleinen Menge Anthrax-Erregern "zu Testzwecken".

Die Experimente sind Teil von größer angelegten Forschungen der insgesamt mehr als 20 verschiedenen US-Geheimdienste, mit denen sich die Vereinigten Staaten vor Angriffen mit Bio-Waffen schützen wollen. Darunter sind auch ein Projekt der CIA, die eine für Biowaffen geeignete Bombe russischer Konstruktion nachbaute, sowie eine Biowaffenfabrik im Bundesstaat Nevada, die ausschließlich frei erhältliche Mittel verwendet. Um über den Abbau eigener Atomwaffen zu entscheiden, wollten die USA die für kommende Woche geplanten Verhandlungen mit Moskau nicht abwarten, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums. "Wenn wir Atomwaffen entdecken, die wir nicht brauchen, werden wir sie zerstören." Dies solle nicht vom Stand der beiderseitigen Gespräche abhängig gemacht werden.

Washington hoffe, dass Russland ähnliche Schritte einleite, fügte der Pentagon-Vertreter hinzu. Bereits jetzt sei Moskau aber "auf dem Weg der Reduzierung" seiner offensiven atomaren Kapazitäten. Unter biologischen oder bakteriologische Waffen werden Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) verstanden, die Krankheiten oder Tod bei Menschen, Tieren und Pflanzen verursachen können. Eine weitere Kategorie sind giftige Stoffwechselprodukte lebender Organismen, die mittlerweile auch synthetisch hergestellt werden können.

Unter den gefürchteten Krankheiten als Folge des Einsatzes von B-Waffen gegen feindliche Truppen oder gar Zivilisten sind Krankheiten wie Typhus, Cholera, Pest, Milzbrand, Gelbfieber oder Pocken. Zu den Erregern zählen Bakterien, Viren und Pilze. Bereits kleinste Mengen können Tausenden Menschen einen qualvollen Tod bringen. Die rasanten Fortschritte der biologischen Wissenschaften machen einen noch wirkungsvolleren Seuchenkrieg möglich.

Als Träger eignen sich Flugzeuge, Raketen und Granaten. Die Organismen werden am Ziel in die Luft oder auf Gewässer versprüht und befallen dann alles Leben. Gerüchte über den Einsatz biologischer Waffen gab es nach dem japanisch-chinesischen Krieg (1937-1945). Derzeit verfügt mindestens ein Dutzend Länder über biologische Waffen - darunter der Irak und Libyen, die die Verbotskonvention von 1972 unterzeichnet haben.

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