Politik : USA beharren auf Bombenangriffen

Die USA lehnen Forderungen der afghanischen Übergangsregierung nach einem baldigen Ende der Luftangriffe ab. US-Präsident George W. Bush sagte auf seiner Ranch im texanischen Crawford, die USA würden möglicherweise für eine lange Zeit in Afghanistan bleiben. Ziel sei nach wie vor, den Islamistenführer Osama bin Laden zu ergreifen - "tot oder lebendig". Amerikanische Kampfflugzeuge bombardierten nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP in der Nacht zum Samstag und am Samstagmorgen eine Ortschaft in der ostafghanischen Provinz Paktia.

US-Präsident Bush sagte, bevor der Kommandeur des US-Einsatzes in Afghanistan, Tommy Franks, nicht den Erfolg der Mission signalisiert habe, werde er keinen Abmarschbefehl geben. Auch Franks betonte, die US-Militäroperation werde "so lange dauern, wie sie braucht". Zuvor hatte bereits das US-Verteidigungsministerium den Wunsch Kabuls zurückgewiesen, die neue afghanische Regierung stärker an der militärischen Planung zu beteiligen. Washington müsse alles tun, um seine Kriegsziele zu erreichen, sagte eine Pentagon-Sprecherin. Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministers Kasim Fahim hatte am Freitag gesagt, die USA sollten ihre Luftangriffe nur so lange fortsetzen, bis Kabul das Ende empfehle. Das Al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden sei vermutlich in "drei bis vier Tagen" besiegt.

Der Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Karl Henning Kröger, betonte, dass das UN-Mandat für die Schutztruppe ausdrücklich auf Kabul und dessen unmittelbare Umgebung beschränkt sei. Einsatzgebiete seien außerdem der Flughafen Bagram und der Weg dahin. Der Flughafen liegt etwa 40 Kilometer Luftlinie von Kabul entfernt. Die ursprünglich bereits für Samstag geplante Abreise der deutschen, britischen und anderen Mitglieder des Erkundungsteams wird laut Kröger in der Nacht zum Montag erfolgen. Der Flughafen Bagram sei aus "flugsicherungstechnischen Gründen" bislang nur zum Teil nutzbar.

Der afghanische Minister für Wiederaufbau, Mohammed Amin Farhang, hatte am Freitagabend im ZDF gefordert, die Soldaten der Schutztruppe sollten nicht nur in Kabul Stellung beziehen.

Bei der am Freitagabend beendeten Londoner Konferenz über die Stabsstruktur und die Zusammensetzung der Afghanistan-Schutztruppe wurde noch keine endgültige Einigung erzielt. "Montag oder Dienstag" solle jedoch verkündet werden, welche "Form" die Schutztruppe haben werde. Unterdessen will die afghanische Übergangsregierung die von den Taliban zerstörten antiken Buddha-Statuen von Bamijan mit internationaler Hilfe wieder aufbauen. "Wir wollen damit so schnell wie möglich anfangen", sagte am Samstag Informations- und Kulturminister Raheen Machdoom der Nachrichtenagentur Reuters. Mehrere Staaten hätten bereits erklärt, sich an dem Wiederaufbau der beiden 40 und 50 Meter hohen Statuen zu beteiligen. In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen sollten bald Experten aus dem In- und Ausland und Vertreter aus Geberstaaten zusammenkommen, um die Arbeiten vorzubereiten.

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