USA-Besuch : Ahmadinedschad: Atombombe ist "nutzlos"

Irans Präsident Ahmadinedschad ist zu einem mehrtägigen Besuch in den USA eingetroffen und schlägt dort offenbar milde Töne an. Sein Land strebe weder die Atombombe an, noch sei man mit den USA auf Kriegsfuß, erklärte er im Vorfeld.

Ahmadinedschad
Wenig Beifall zu erwarten: Ahmadinedschad bei seinem Abflug in Teheran. -Foto: AFP

New York/WashingtonIran und die USA steuern nach Ansicht des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad trotz neuerlicher Spannungen nicht auf einen bewaffneten Konflikt zu. Ahmedinedschad traf unterdessen zur Teilnahme an der jährlichen UN-Generaldebatte in New York ein. Dort wollte er noch am Abend an der renommierten Columbia-Universität sprechen. Gegen seinen Vortrag vor Studenten liefen etliche US-Politiker, religiöse Gruppen, allen voran jüdische Verbände, und andere Organisationen Sturm. Der Präsident der Columbia-Universität, Lee Bollinger, bestand aber unter Verweis auf die Redefreiheit darauf, dem Iraner das Wort zu erteilen.

"Es zeichnet sich kein Krieg ab. Warum sollten wir Krieg führen?", hatte Ahmadinedschad vor seiner Reise in die Vereinigten Staaten in einem Interview mit dem US-Sender CBS erklärt. Anderslautende Berichte kanzelte Ahmadinedschad als "psychologische Kriegsführung" ab. Iran stehe nicht auf Kriegsfuß mit den USA. Die Reise dorthin, so Ahmadinedschad weiter, sei eine "gute Gelegenheit, die Positionen des iranischen Volkes zu präsentieren".

"Die Zeit der Bombe ist vorbei"

Vor der Columbia-Universität demonstrierten bereits am Sonntag jüdische Aktivisten und verlangten, dass Ahmadinedschad wieder ausgeladen werde. Sie geißelten ihn als "Möchtegern-Hitler" und "Holocaust-Leugner". Universitäts-Chef Lee Bollinger verteidigte die Veranstaltung als notwendige geistige Auseinandersetzung. Ahmadinedschads Wunsch, auf dem Gelände des bei den Anschlägen am 11. September 2001 zerstörten World Trade Center einen Kranz niederzulegen, lehnten die New Yorker Behörden allerdings ab.
  
Er bekräftigte, dass Iran nicht den Bau von Atomwaffen anstrebe. "Die Atombombe hat keinen Nutzen. Die Zeit der Bombe ist vorbei." Sie habe zum Beispiel nicht den Niedergang der Sowjetunion verhindert. "Wäre sie sinnvoll, würde sie das Problem lösen, das die Amerikaner im Irak haben."

Die Vereinten Nationen verlangen einen Stopp aller iranischen Atomaktivitäten, die auch der Entwicklung von Nuklearwaffen dienen könnten. Teheran hat die Forderungen bisher weitgehend ignoriert und beteuert, die Aktivitäten dienten nur der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Beratungen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands über verschärfte Iran-Sanktionen waren in der vergangenen Woche in Washington ohne konkretes Ergebnis geblieben. An diesem Freitag sollen nun die Außenminister der Teilnehmerstaaten am Rande der UN-Vollversammlung in New York zu weiteren Beratungen zusammenkommen. (mit AFP, dpa)

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