USA : Diese fünf Gründe sprechen gegen Hillary Clinton

Sie gilt als Favoritin. Doch genau deshalb könnte sie auch diesmal wieder scheitern. Wie 2008 schon. Fünf Gründe, warum Hillary Clinton keine ideale Kandidatin für die Demokraten ist. Ein Kommentar.

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Hillary Clinton
Hillary ClintonFoto: dpa

Sie hat sich spät aus der Deckung gewagt. Alle Welt wusste, dass Hillary Clinton 2016 Präsidentin werden möchte. Offiziell erklärt hat sie sich erst am vergangenen Sonntag – drei Monate später als bei ihrem ersten Anlauf vor acht Jahren. Damals hatte sie ihre Kandidatur am 20. Januar 2007 angekündigt. Das Zögern und Taktieren lässt ahnen, dass ihr Weg ins Weiße Haus kein Spaziergang wird. Und dass sie scheitern kann, auch wenn viele, zumal in Deutschland, in ihr die Favoritin sehen.

Gegen sie spricht, erstens, die Statistik, nach der spätestens alle acht Jahren ein parteipolitischer Machtwechsel im Weißen Haus fällig ist. In den letzten 70 Jahren gab es nur eine Ausnahme: Nach Ronald Reagans zwei Amtszeiten folgte 1988 ein weiterer Republikaner, George H. W. Bush. Die Regel, laut der auf den Demokraten Barack Obama ein Republikaner folgen müsste, hat praktische Gründe. Nach acht Jahren hält sich die Begeisterung für den Amtsinhaber in Grenzen. Nur wenn ein Präsident auch am Amtsende noch beliebt ist, kann ein Parteifreund die folgende Wahl gewinnen. Ein Republikaner kann versprechen, alles anders als Obama zu machen. Hillary steht im Zwiespalt. Sie darf die Kritik an Obama nicht den Republikanern überlassen, darf ihn aber nicht scharf angreifen, denn sie braucht seine Anhänger für ihren Sieg.

Hillary Clinton gilt als unvermeidbar - das schadet ihr

Die demografische Entwicklung könnte ihr helfen, die statistische Erfahrung zu widerlegen. Die typische Wählerschaft der Demokraten – die Mehrheit der Jungwähler, Frauen und nicht-weißen Zuwanderer –, wächst. Der Anteil republikanischer Stammwähler – eher die Älteren, die Weißen, die Männer – sinkt. Wenn die Demokraten dank Demografie die Wahl gewinnen, wer anders soll dann ins Weiße Haus einziehen als Hillary? In ihrer Partei hat sie zurzeit keine ernsthafte Konkurrenz.

Dieser vermeintliche Vorteil hat aber, zweitens, eine Kehrseite. Clinton befindet sich in einer ähnlichen Falle wie vor acht Jahren. Sie gilt als „inevitable“, als die unvermeidbare Kandidatin, an der die Demokraten nicht vorbei kommen. Dabei haben ihre Berater diese Konstellation als eine Ursache für ihre Niederlage 2008 ausgemacht und wollten eine Wiederholung vermeiden. Der feine Unterschied: Damals war es Strategie, sich als alternativlos darzustellen, um Obama klein zu halten. Die Clintons meinten, ihr Einfluss reiche aus, um das Ergebnis der Nominierung zu diktieren. Das ärgerte viele in der Partei, und die unterstützten dann Obama. Heute hat sie die Favoritenrolle, ohne sie angestrebt zu haben. „Unvermeidbarkeit“ bleibt jedoch ein Risiko, wenn auch aus anderen Gründen als 2008.

Sie braucht einen harten innerparteilichen Streit um die Nominierung. Denn der hat im US-Wahlsystem segensreiche Folgen für die Chancen in der Hauptwahl. Anders als in Deutschland wirken die Bürger bereits bei der Kandidatenaufstellung in den Vorwahlen in allen 50 Bundesstaaten mit. Das hilft bei der frühen Mobilisierung der Anhänger. Zudem bringen die innerparteilichen Konkurrenten bereits Vorwürfe zur Sprache, die der parteipolitische Gegner sonst in der Hauptwahl als Munition nutzen würde – und entschärfen sie damit. Beides war ein Riesenvorteil für die Demokraten 2008. Die Medien berichteten intensiv über den Zweikampf zwischen Clinton und Obama. Die Republikaner konnten nicht mithalten. 2016 droht das umgekehrte Muster: Bei den Demokraten fehlt die Spannung, also konzentrieren sich die Medien auf die Republikaner.

Warum soll sie das Vorbild für jüngere Frauen sein?

Wie selbstverständlich wird, drittens, angenommen, dass die Frauen für Hillary stimmen, damit endlich eine Frau an die Spitze kommt. Für Amerikanerinnen in ihrem Alter – also heute über 60 – mag das ein zentrales Motiv sein. Die Hoffnung hat sie seit Jahrzehnten begleitet. 2008 haben sie in Massen für Hillary gestimmt. Für ihre Töchter gilt das weniger. Sie stoßen in Beruf und Alltag nicht mehr auf dieselben Barrieren und haben 2008 zumeist Obama gewählt. Selbst wenn sie meinen, dass es höchste Zeit für eine Präsidentin wäre, warum soll Hillary Clinton, die am Wahltag 69 Jahre alt wäre, das Vorbild der 20- bis 40-Jährigen sein?

Clinton hat, viertens, ein Sonderproblem: Fast alle Wähler haben eine feste Meinung über sie. Obama, der vor 2008 nicht landesweit bekannt war, konnte neue Wähler für die Demokraten anziehen. Für Clinton gibt es kaum Potenzial über diejenigen hinaus, die heute für sie stimmen würden. Ihre potenziellen Gegner tun sich in dem Punkt leichter.

Fünftens ist sie risikoscheu. Es fällt ihr schwer, sich endgültig auf einen Wahlkampf-Slogan festzulegen, weil sie ihn bei schlechter Resonanz rasch wieder ändern möchte. Diese Unentschiedenheit war schon 2008 ein Schwachpunkt.

Gewiss kann Clinton die Wahl 2016 gewinnen. Dafür muss sie die Risiken minimieren. Und, zum Beispiel, Demokraten ermuntern, in Konkurrenz um die Kandidatur zu treten, statt ihnen abzuraten.

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