Politik : USA drohen mit weiteren Luftangriffen in Afghanistan

Die afghanischen Behörden haben dem Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar eine Frist bis Samstag zur Kapitulation gesetzt. Falls er sich dann nicht ergebe, werde die US-Luftwaffe die Region um die Stadt Baghran angreifen, sagte ein ranghoher Geheimdienstmitarbeiter am Donnerstag in Kandahar.

Weiter betonte Nusrat Ullah, die Verhandlungen mit den Stammesführern, die Omar beherbergten, hätten die entscheidende Phase erreicht. Die Gespräche werden laut Ullah von dem Gouverneur der Provinz Helmand, Scher Mohammed, geleitet. Der Geheimdienstchef und der Gouverneur von Kandahar, Hadschi Gulali und Gul Agha, stünden in ständigem Kontakt mit der Delegation. Ullah sagte weiter, Omar sei für die Ermordung tausender Afghanen verantwortlich und müsse sich in Kabul vor Gericht verantworten.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Aus Kreisen der Taliban-Gegner verlautete, die US-Streitkräfte hätten die Stammesführer eindringlich davor gewarnt, dem gestürzten Regimechef Zuflucht zu gewähren, und mit Luftangriffen gedroht. Bewohner von Kandahar berichteten, über dem vermuteten Aufenthaltsgebiet Omars bei Baghran hätten US-Flugzeuge Flugblätter abgeworfen. Darin seien die Dorfbewohner davor gewarnt worden, Taliban- oder Al-Qaida-Kämpfern Unterschlupf zu geben.

Die USA reagierten skeptisch auf die Berichte über die Kapitulationsgespräche. Konteradmiral John Stufflebeem sagte in Washington, in Baghran hielten sich etwa 1000 bis 1500 Taliban-Kämpfer auf. Diese wollten sich durch Verhandlungen aus ihrer misslichen Lage befreien.

Der Extremistenführer Osama bin Laden hält sich nach Einschätzung des Pentagon nicht mehr in der Höhlenfestung Tora Bora auf. Pentagon-Sprecher Oberst John Mulholland äußerte die Ansicht, bin Laden sei entweder geflohen oder bei der Bombardierung der Festung getötet worden.

Unterdessen machte ein britischer Abgeordneter die USA für den Tod von bis zu 120 afghanischen Zivilisten verantwortlich. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, Donald Anderson, forderte eine Untersuchung des Angriffs vom vergangenen Wochenende in der Nähe des Dorfes Niasi Kala, 100 Kilometer südlich von Kabul. Laut AIP kamen dabei mindestens 92 Zivilisten ums Leben, Bewohner bezifferten die Zahl der Todesopfer auf 120. Die USA betonten dagegen, bei dem Angriff sei eine Führungszentrale der Taliban und von Al Qaida getroffen worden.

Der neue afghanische Regierungschef Hamid Karsai wird im Februar zu Gesprächen in Washington erwartet. Präsident George W. Bush habe Karsai im vergangenen Monat eingeladen, berichtete die "Washington Post".

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