USA : Ein Anfang ist gemacht

Die USA entschädigen erstmals Indianer – aber vorerst nur 300 000 von insgesamt vier Millionen.

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Historische Einigung. US-Präsident Barack Obama (hier bei einer Ordensverleihung im August 2009) hat sich erfolgreich für eine...Foto: dpa

Die Friedenspfeife hat niemand geraucht, es gibt auch keine Freudentänze, dennoch ist von einem historischen Schritt die Rede. Nach 13 Jahren erbitterten juristischen Tauziehens, nach Dutzenden Prozessen einigte sich die US-Regierung mit Indianern endlich auf eine 3,4-Milliarden-Entschädigung. Zwar ist das noch längst nicht der große Friedensschluss, der alle Wunden heilt. Doch Präsident Barack Obama sieht darin bereits einen „wichtigen Schritt zur echten Versöhnung“. Eines der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte wird aufgearbeitet – Obama spricht gar von einem „Makel“ der amerikanischen Gesellschaft.

„Ich habe versprochen, dieses Problem zu lösen, und ich bin stolz darauf, dass meine Regierung diesen Schritt geschafft hat“, freut sich Obama. Was die Anwälte beider Seiten ausgearbeitet haben, ist juristisch zwar höchst kompliziert und vertrackt, doch dahinter verbirgt sich die ganze Tragik der einst stolzen Indianervölker – die Landnahme der Indianergebiete durch weiße Siedler. Immerhin, nach der jetzt erzielten Einigung soll jeder der 300 000 Betroffenen der Sammelklage erst einmal etwa 1000 Dollar in bar bekommen – weitere Zahlungen sind bereits ins Auge gefasst.

Der Streit reicht weit zurück ins Dunkel der Zeit. „Eine bittere Erinnerung an die Indianerkriege“, meint die „Washington Post“ mit Blick auf den historischen Landraub an den Ureinwohnern. Konkret geht es um einen Fonds, den die amerikanische Regierung 1887 gründete. In diesen Fonds sollten Gelder fließen, die Weiße für Nutzungsrechte in den Indianerreservaten zahlten. Im Kern ging es um eine Art Gebühr für Ölbohrungen, Weiderechte oder Abholzung.

Vorgesehen war dabei, dass die betroffenen Indianer dieses Geld erhalten sollten, tatsächlich aber haben viele  niemals auch nur einen Dollar gesehen. Andere bekamen zwar ab und an kleinere Summen, wieder andere einen einmaligen Betrag. Eines war aber allen Betroffenen gemeinsam: Sie bekamen niemals eine Erklärung für ausbleibende Zahlungen.

Die Sache schleppte sich hin – bis Elouise Cobell, eine entschlossene Schwarzfußindianerin, 1996 zur Tat schritt und eine Sammelklage einreichte.  Sie verklagte die US-Regierung auf Herausgabe von sage und schreibe 137 Milliarden Dollar. Ein erbitterter Rechtsstreit begann. In den ersten Instanzen bekam die Indianerin recht. Die Regierung mobilisierte ihre Ressourcen, zeitweise beschäftigte sie rund 100 Anwälte, um die Forderungen abzuwehren. „Wir sind heute hier, um vergangenes Unrecht wiedergutzumachen“, sagt Innenminister Ken Salazar.

So ganz zufrieden ist Cobell allerdings nicht. „Die Entschädigung ist wesentlich geringer als der volle Betrag, der den Indianern zusteht.“  Auch ist der Deal noch nicht ganz unter Dach und Fach, erst muss noch der Kongress in Washington zustimmen. Noch heute verwaltet die US-Regierung die Einnahmen aus einst riesigen Stammesgebieten treuhänderisch – allein in diesem Jahr belaufen sie sich auf 298 Millionen Dollar (umgerechnet 202 Millionen Euro).

Doch längst nicht alle Indianer sind von der gestrigen historischen Einigung betroffen: Schätzungen zufolge leben derzeit zwischen 3,5 und vier Millionen Indianer in den USA, einst waren es wohl zwischen zehn und 18 Millionen – doch nur gut 300 000 werden jetzt entschädigt. (dpa)

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