USA/Einwanderung : Amerikaner in spe müssen sich auskennen

"Wer ist Präsident der USA?" "Wo ist das Weiße Haus?" Wer das nicht weiß, hat als Amerikaner in spe schlechte Karten. Ein Überblick über die Gepflogenheiten der USA zur Einwanderung.

Washington - Beim Antrag auf die US-Staatsbürgerschaft müssen Aspiranten in einem Einwanderungsgespräch und beim schriftlichen Test unter Beweis stellen, dass sie die Anlagen zu einem guten Bürger haben.

Traudl Heinzmann (46) aus Augsburg hat die Prozedur erfolgreich gemeistert. Nach 23 Jahren in den USA stellte sie den Antrag und ist seit 2001 Amerikanerin. «Die größte Freude war, endlich wählen zu können», sagt Heinzmann. Ihr Weg zum US-Pass führte über einen Berg von Anträgen, in denen die ganze Lebensgeschichte samt Einblicken in Vermögen, Krankheiten und die Seele ausgebreitet werden muss.

«Sind Sie je Gewohnheitssäufer gewesen?» steht zum Beispiel in dem zehnseitigen Formular. Oder: «Haben Sie je zum gewaltsamen Umsturz einer Regierung aufgerufen?» «Waren Sie Mitglied der kommunistischen Partei? Einer Terroristenorganisation?» Eine Lüge kann einen Jahrzehnte später einholen. Einstigen KZ-Wärtern, die ihre Tätigkeit verschwiegen hatten, wurde die Staatsbürgerschaft wieder entzogen.

"Guter Charakter" ist notwendig

Heinzmann musste ein paar Wochen nach der Antragstellung zunächst die Fingerabdrücken abliefern, dann kam die Einladung zum Gespräch. Mit Dutzenden anderen fand sie sich eines Morgens in der Immigrationsbehörde in Arlington bei Washington ein. «Witzigerweise sprachen die meisten Beamten dort selbst mit einem Akzent», sagt Heinzmann. In den USA leben nach Angaben der Einwanderungsbehörde gut elf Millionen Eingebürgerte, 3,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nicht perfektes Englisch ist selbst für Regierungsbeamte keine Hürde.

Dass die Einwanderer die Sprache weitgehend beherrschen, wird aber geprüft. «Voraussetzung ist unter anderem, Englisch lesen, schreiben und sprechen zu können», teilt die Einbürgerungsbehörde mit, die ihre Informationen allerdings auch auf Spanisch, Chinesisch, Vietnamesisch und demnächst auch Tagalog, Koreanisch, Russisch, Arabisch Französisch, Portugiesisch und Kreolisch veröffentlicht. Verlangt werden auch Wissen über die US-Geschichte, die Verfassung, ein «guter Charakter» und «eine positive Einstellung zu den USA».

"Was ist der Vorteil der US-Staatsbürgerschaft?"

«Ein bisschen nervös war ich schon», sagt Heinzmann. Bei Geplauder prüfte die Beamtin ihr Englisch, dann kamen die schriftlichen Fragen. «Was ist der Vorteil einer US-Staatsbürgerschaft?» zum Beispiel. Heinzmann antwortete richtig: «Zu wählen und als Geschworener an Prozessen teilnehmen zu können.» «Eins haben Sie vergessen: das Privileg, mit einem US-Pass reisen zu können», monierte die Beamtin, doch Heinzmann bestand. Neben Fragen nach Farbe und Bedeutung der Flagge können auch solche über die Bedeutung des Obersten Gerichtshofs oder den amerikanischen Bürgerkrieg gestellt werden.

Nach Angaben der Einwanderungsbehörde gingen 2004 rund 662.000 Anträge auf Einbürgerung ein, 537.000 wurden genehmigt. Auf der Überholspur schaffen es Ausländer, die sich freiwillig zum US-Militäreinsatz melden. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden so 24.745 Ausländer Amerikaner, 69 von ihnen posthum. (Von Christiane Oelrich, dpa)

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