Politik : USA fliegen nicht mehr über Kirgistan

Bischkek/Moskau - Nach dem blutigen Umsturz in der zentralasiatischen Republik Kirgistan werden die USA ihre dortige Luftwaffenbasis Manas vorläufig nicht mehr nutzen. Wie Major John Redfield vom US-Zentralkommando in Florida am Samstag bestätigte, werden die Flüge zum Transport von Truppen und Ausrüstung nach Afghanistan über einen anderen Stützpunkt im Ausland abgewickelt. Wie es weitergehe, hänge von der Entwicklung in Kirgistan und der Einschätzung des US-Militärpersonals vor Ort ab.

Die neue Regierung Kirgistans hat am Samstag die Opfer mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Die Zahl der Toten stieg auf 79. In der Nacht zum Samstag seien drei Menschen an ihren Verletzungen gestorben, sagte die neue Gesundheitsministerin Damira Nijasalijewa der Agentur Akipress. Die Lage in der Hauptstadt Bischkek hat sich nach Behördenangaben weiter beruhigt. Am Stadtrand wurden Kontrollpunkte errichtet, an denen Reisende nach Waffen und Sprengstoff durchsucht werden.

Insgesamt wurden bei den Unruhen etwa 1500 Menschen verletzt. Die Staatsanwaltschaft macht einen Bruder und zwei Söhne des gestürzten autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew für das Blutbad verantwortlich. Bakijew selbst hält sich nach eigenen Angaben weiter im Süden des Landes auf, seiner Heimat und Hochburg. Wegen des Trauertags für die Opfer der Unruhen wurde eine für Samstag geplante Volksversammlung abgesagt, die ebenfalls im Süden des Landes stattfinden sollte. Dabei sollte der Gouverneur von Bakijews Heimatstadt Dschalalabad gewählt werden. Es wurde Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern Bakijews befürchtet.

Bakijew erklärte, er sei zu Verhandlungen über seinen Rücktritt bereit, falls die neue Regierung Gespräche mit ihm suche. Die neue Regierungschefin Rosa Otunbajewa hatte schon zuvor erklärt, es gebe „keinen Grund“ für Gespräche, und hatte Bakijew erneut zum Rücktritt aufgefordert. Otunbajewa will innerhalb eines halben Jahres die Verfassung ändern und Präsidenten- und Parlamentswahlen abhalten lassen. dpa/AFP

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