USA : Früherer US-Präsident Ford gestorben

Der frühere US-Präsident Gerald Ford ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren in Kalifornien. Ford wurde zum einzigen ungewählten Präsidenten, als sein Vorgänger Richard Nixon 1974 wegen der Watergate-Affäre zurücktrat.

Washington - Ford sei am Dienstagabend "friedlich" in Kalifornien" gestorben, teilte seine Frau Betty mit. US-Präsident Bush würdigte Ford als einen Präsidenten, der dazu beigetragen habe, das Vertrauen der Amerikaner in die Präsidentschaft zurückzugewinnen. Ford hatte die Präsidentschaft nach dem Watergate-Skandal im Jahr 1974 übernommen und Richard Nixon abgelöst.

Fords Leben sei "voller Liebe zu Gott, seiner Familie und seinem Land" gewesen, hieß es in der von seinem Büro im kalifornischen Rancho Mirage veröffentlichten Erklärung seiner Frau Betty. Die Beerdigungsfeierlichkeiten sollen in Washington und Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan stattfinden. Ford war in den vergangenen Monaten wegen gesundheitlicher Probleme wiederholt im Krankenhaus. Im Januar musste er sich wegen einer Lungenentzündung behandeln lassen, im August wurde er zweimal am Herzen operiert, dabei wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt. Im Oktober musste er dann erneut für mehrere Tage ins Krankenhaus.

George W. Bush: Ford hat Wunden geheilt

US-Präsident Bush und seine Frau Laura sprachen der Familie des 38. Präsidenten der Vereinigten Staaten ihr Beileid aus. Ford sei ein "großer Amerikaner" gewesen, der seinem Land viele Jahre hingebungsvoll gedient habe. Er habe sein Amt zu einer Zeit des "nationalen Tumults und der Spaltung" übernommen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Mit seiner "stillen Integrität und seinem Menschenverstand" sei es ihm gelungen, die Wunden zu heilen.

Gerald Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha (Nebraska) geboren. Er war der 38. Präsident der Vereinigten Staaten, wurde aber niemals in sein Amt gewählt. Nach dem Rücktritt von Präsident Richard Nixon wegen des Watergate-Skandals rückte Ford am 9. August 1974 als dessen Stellvertreter automatisch in das höchste Staatsamt auf. Ford war zuvor ebenfalls nur Vize-Präsident geworden, weil sein Vorgänger Spiro Agnew wegen Steuerbetrugs zurücktreten musste. Er blieb jedoch nur zweieinhalb Jahre im Präsidentenamt - bei der Wahl 1976 unterlag er dem Demokraten Jimmy Carter.

Ford gewährte Nixon eine Amnestie

In seiner kurzen Amtszeit hatte Ford zahlreiche Krisen zu bewältigen, zunächst den Watergate-Skandal um die Bespitzelung politischer Gegner durch das Nixon-Lager. Vier Wochen nach seinem Amtsantritt gewährte Ford in einer höchst umstrittenen Entscheidung seinem Vorgänger Nixon eine Amnestie für alle Straftaten, die dieser begangen haben könnte. Eine komplette juristische Aufarbeitung der Affäre wurde dadurch unmöglich. Die scharfe Kritik an der Entscheidung begleitete Ford bis zum Ende seines Mandats.

Auch das nationale Trauma der verheerenden Niederlage im Vietnamkrieg überschattete Fords Amtszeit. 1975 scheiterten zwei Anschlagsversuche auf den Präsidenten. Die Täter, zwei Frauen, wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Kurz vor seinem 90. Geburtstag hatte sich Ford gewünscht, dass die Historiker von ihm sagen würden, er habe in einer Zeit großen Misstrauens gegenüber der Politik das Vertrauen der Bürger wiederhergestellt. (tso/AFP)

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