Politik : USA geben Scuds-Ladung für Jemen frei

Spanische Kriegsschiffe beschlagnahmten Raketen aus Nordkorea – doch Waffengeschäft ist legal

Andrea Nüsse

Sanaa. Die USA haben nach Angaben Jemens einen aufgebrachten nordkoreanischen Frachter freigegeben, der Scud-Raketen für das arabische Land geladen hat. Das Völkerrecht verbiete Jemen nicht, sich von Nordkorea Raketen liefern zu lassen, teilte das US-Präsidialamt am Mittwoch mit. Die jemenitische Nachrichtenagentur Saba meldete, US-Außenminister Colin Powell habe den Präsidenten Jemens, Ali Abdullah Saleh, telefonisch über die Freigabe des Frachters informiert. Die Besatzung des nordkoreanischen Schiffes sei an Bord zurückgekehrt und der Frachter auf der Fahrt nach Jemen.

US-Vize-Präsident Dick Cheney habe Saleh zuvor die Freigabe des Schiffes angekündigt, da die Fracht legal sei. Spanische Kriegsschiffe hatten mit US-Unterstützung den Frachter am Montag im Arabischen Meer aufgebracht. Jemen hatte dagegen bei beiden Staaten protestiert. Die Raketen seien für die Armee des Landes von Nordkorea gekauft worden, hieß es.

Bereits im August hatte Jemen eine Ladung Scud-Raketen aus Nordkorea erhalten. Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh hatte damals erklärt, es sei das „legitime Recht Jemens“, Waffen zu kaufen. Die USA hatten daraufhin ein einseitiges Embargo gegen Nordkorea verhängt. Gegen Jemen wurden keine Maßnahmen verhängt, weil man auf die Zusammenarbeit mit der Regierung im Kampf gegen den Terrorismus angewiesen ist. Sanaa hatte den USA weitgehende Freiheiten eingeräumt, in seinem Territorium mutmaßliche Al-Qaida-Kämpfer zu verfolgen. Täglich fliegen seither amerikanische Kampfflugzeuge, deren Basis in Djibouti liegt, über Jemen. Im Oktober tötete eine von einem unbemannten amerikanischen Flugkörper abgeschossene Rakete sechs Männer in ihrem Wagen in der Wüste östlich von der Hauptstadt, denen eine Beteiligung am Anschlag auf das US-Kriegsschiff „Cole“ vorgeworfen wurde. Die massive amerikanische militärische Einmischung in Jemen ruft in der Bevölkerung Unmut hervor. Der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage sagte in Peking, der Waffenfund bestätige, dass Nordkorea einer der größten Waffenlieferanten überhaupt sei. „Dies war von den US-Behörden seit einiger Zeit erwartet worden.“ Daher ändere sich die Nordkorea-Politik der USA wohl nicht, sagte er.

Die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA sind belastet, da Nordkorea nach US-Angaben trotz gegenteiliger Abkommen weiter an einem Atomwaffenprogramm arbeitet. Die USA und ihre Verbündeten stoppten daraufhin die Lieferung von kostenlosem Heizöl nach Nordkorea und kürzten die Lebensmittelhilfe.

Der Name „Scud“ steht für ein System von ballistischen Kurzstreckenraketen, die in den 50er Jahren in der damaligen Sowjetunion entwickelt, gebaut und in viele Länder exportiert wurden. „Scud“ heißt die Rakete im Nato-Militärjargon, die russische Bezeichnung ist SS-1. Die Scud-Raketen gelten als wenig zielgenau. Nur jede zweite nordkoreanische Rakete soll ihr Ziel innerhalb eines Radius von einem Kilometer treffen. Militärexperten erklärten, dass dies keine Entwarnung bedeute, wenn der Gefechtskopf zu einer Massenvernichtungswaffe ausgebaut werde.

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