USA : Gefährliches Zündeln mit dem Koran

Eine kleine evangelikale Gemeinde in den USA will am 11. September den Koran verbrennen – die Behörden sind nahezu machtlos.

Lars Halter

Die Stadt Gainesville im Norden Floridas hat eine angesehene Universität und ist bekannt als Geburtstadt des Sportgetränks Gatorade und des Musikers Tom Petty. Ansonsten ist nicht viel los. Doch das beschauliche Leben wird dieser Tage gestört. Das Dove World Outreach Center, eine christliche Freikirche, deren Anhänger an Wunder glauben, predigt gegen den Islam und plant einen Protest, der nun sogar die Truppen in Afghanistan gefährden könnte.

Terry Jones, Pastor der Gemeinde und Autor des Buches „Islam is of the Devil“, plant mit seinen Anhängern eine Koranverbrennung . Termin ist der 11. September, der Jahrestag der Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Zur Einstimmung hat man bereits ein Schild aufgestellt, das den Islam verteufelt. Das hat zu Protesten geführt, doch die Stadtväter sind machtlos. Die Religions- und Meinungsfreiheit deckt die Botschaft ab. Aus baurechtlicher Sicht muss die Kirche das Schild in den nächsten Tagen nur etwas kleiner und niedriger machen. Pastor Jones will dieser Aufforderung nachkommen. Zudem plant er weitere Schilder aufzustellen, auf denen er gegen den Islam, aber auch gegen Homosexualität und Abtreibung wettert.

General David Petraeus, Kommandeur der US-Truppe in Afghanistan, warnt jetzt in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ vor schwerwiegenden Folgen, die die Aktion der 50 Mitglieder starken Gemeinde auslösen könnte. „Das gefährdet sowohl die Truppe als auch unseren gesamten Einsatz“, fürchtet Petraeus.

Die Taliban nutzen solche Ereignisse, um in Afghanistan neue Unterstützer zu werben. Gesehen hat man dies bereits nach den Vorkommnissen im Militärgefängnis Abu Ghraib. Dort wurden zwischen 2004 und 2006 Gefangene gefoltert, dabei wurde auch der Koran geschändet. Dokumente darüber führten zu weltweiten Protesten, der damalige Präsident George W. Bush und sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mussten sich entschuldigen.

Am Wochenende hat sich bereits gezeigt, dass die Aktion des Dove World Outreach Center tatsächlich Muslime in aller Welt auf die Barrikaden bringt. In Kabul kam es zu Massenprotesten, bei denen unter anderem amerikanische Flaggen und ein Bild von Pastor Jones verbrannt wurden.

Der lässt sich nicht beirren. Auch von der Stadt Gainesville lässt er sich bislang nicht stoppen. Die hat der Kirche eine Sondergenehmigung für offenes Feuer verweigert und will zumindest feuerpolizeilich eingreifen, falls es zu einer Verbrennung kommen sollte. Auch eine Fahrzeugkontrolle auf der einzigen Zufahrtstraße zur Kirche ist geplant, um die Aktion so weit wie möglich zu stören.

Unterdessen sind Muslime in Gainesville außer sich. Die Stadt hat eine nicht unbedeutende islamische Bevölkerung und zwei Partnerstädte in der muslimischen Welt: Qalqiliya in Palästina und Dohuk im kurdischen Teil des Iraks.

Das Dove World Outreach Center hat hingegen eine Verbindung nach Deutschland: Die Christliche Gemeinde Köln wurde Anfang der achtziger Jahre von Pastor Jones gegründet und geleitet und war lange eine Schwesterkirche der Gemeinde in Gainesville.

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