USA : Holocaustleugner, Rassist – Einzeltäter?

Ein 88-Jähriger hat einen Wachmann in einem Washingtoner Museum erschossen. Rechtsextreme Gewalt hat Tradition in USA.

Sven Bischoff
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Ort des Geschehens: Das Washingtoner Holocaust-Museum. Foto: dpa

Berlin - Der Mann, der am Mittwoch um 13 Uhr Washingtoner Ortszeit das Holocaust-Museum betrat und den schwarzen Wachmann Tyrone Johns erschoss, ist kein unbeschriebenes Blatt. James W. von Brunn, 88 Jahre alt, ist bekennender Holocaustleugner und Rassist. Seine Internetseite „HolyWesternEmpire.org“ ist voll von Hasstiraden gegen die Feindbilder der US-amerikanischen extremen Rechten, zu denen neben ethnischen und religiösen Minderheiten auch die US-Notenbank Federal Reserve gehört. Diese stürmte Brunn 1981, bewaffnet mit Revolver, Jagdmesser und abgesägter Schrotflinte: Er wollte seinem Unmut über die hohen Zinssätze mit einer Geiselnahme Ausdruck verleihen, wurde vorher überwältigt und verbüßte sechs Jahre Haft.

Nach Polizeiangaben war die Tat am Mittwoch die eines Einzelnen. Brunn sei ein „White Supremacist“ – überzeugt davon, dass Weiße die „Herrenrasse“ sind, deren Überleben von allen Seiten bedroht wird. Diese Gesinnung vertrat schon der 1866 gegründete Ku-Klux- Klan, der sich als notwendiger Verteidiger der weißen Hautfarbe verstand. Früher berüchtigt für Lynchmorde, beschränken sich die Aktivitäten des Klans heutzutage vornehmlich auf Protestmärsche, jedoch gibt es auch immer wieder Berichte von gewaltsamen Übergriffen. Daneben gibt es eine sehr aktive rechtsextreme Szene in den USA.

Die als extrem gefährlich geltenden Neonazi-Gangs in den amerikanischen Gefängnissen haben ebenfalls das Überleben der Weißen zum Ziel, allerdings – nach Wegfall der Rassentrennung in den 60er Jahren – zunächst nur innerhalb der Gefängnismauern. Die größte rechtsextreme Bande ist die „Aryan Brotherhood“ (Arische Bruderschaft), eine mächtige Organisation mit mehr als 15 000 Mitgliedern, die mittlerweile auch außerhalb der Gefängnisse operiert. Die Bruderschaft ist im Drogenhandel tätig, schreckt jedoch auch vor Auftragsmord nicht zurück. Bereits 1992 kam das FBI in einer Studie zu dem beunruhigenden Ergebnis, dass der prozentuale Anteil der Brotherhood-Mitglieder in den Bundesgefängnissen unter einem Prozent liegt, jedoch 18 Prozent aller Morde in den Haftanstalten auf ihr Konto gehen.

Der extremen weiß-nationalen Rechten zugeordnet werden auch Teile der so genannten Militias (Milizen). Sie sehen ihr Land und ihre Verfassung von finsteren ausländischen Mächten bedroht. Wenn sie von ihrer eigenen Regierung sprechen, verwenden sie die Abkürzung ZOG für „Zionist Occupied Government“ – von Zionisten besetzte Regierung. Sie halten Wehrübungen in den Wäldern ab und rüsten sich für den biblischen „letzten Kampf“. Timothy McVeigh, der 1995 den Bombenanschlag auf das Regierungsgebäude in Oklahoma City verübte, entstammte angeblich diesem Milieu.

Ob Brunn engeren Kontakt zu einer oder mehrerer dieser Gruppen hatte, wird sich im Laufe der Ermittlungen zeigen. Das Internet als Kommunikationsplattform hat er als Betreiber einer Internetseite sicher genutzt, und ein Austausch, eine Vernetzung mit Gleichgesinnten erscheint naheliegend. Sicher ist: Mit diesen Gruppierungen verband ihn der Hass auf alle, die anders sind, eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Religion. Was einzelne Wirrköpfe anrichten können, hat seine Tat gezeigt – schließen sich die Extremisten eines Tages zusammen, entsteht eine Gefahr, deren Ausmaß unkalkulierbar ist.

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