Politik : USA lieferten alte Munition nach Kabul

Christoph von Marschall

Washington - Der Afghanistaneinsatz der USA wird durch einen Skandal bei der Munitionsversorgung belastet. Wie die „New York Times“ berichtet, hat ein ziviler Vertragspartner des Pentagon den afghanischen Regierungsstreitkräften veraltete Gewehrpatronen geliefert, die nicht zuverlässig funktionieren. Die Umstände der Affäre sind besonders peinlich für das Verteidigungsministerium, weil sie auf geringe Sorgfalt bei der Auswahl der Vertragspartner und schlechte Aufsicht schließen lassen. Den Auftrag im Wert von 300 Millionen Dollar bekam 2006 die Firma AEY Inc., die im Waffenhandel unerfahren ist und von einem 22-Jährigen geleitet wird, der aus einem unscheinbaren Büro in Miami Beach operiert. Der Vizechef ist gelernter Masseur.

In Afghanistan sind russische Waffen wie die Kalaschnikow verbreitet, US-Gewehre werden kaum benutzt. Deshalb konnte die US Army die Regierungstruppen nicht aus eigenen Munitionsbeständen versorgen. Die Firma AEY Inc. kaufte laut „New York Times“ Patronen aus ehemaligen Sowjetbeständen auf, die zum Teil über 40 Jahre alt sind, verpackte sie neu und lieferte sie nach Afghanistan. Die Zeitung bewertet es als bittere Ironie, dass die US-Regierung parallel Milliarden Dollar ausgibt, um Russland zu helfen, veraltete sowjetische Munition aufzuspüren und unter sicheren Umständen zu beseitigen. Ein anderer Teil der Lieferung stammt aus chinesischer Produktion, womit AEY Inc. im Rahmen eines Pentagonauftrags gegen Rüstungskontrollgesetze der USA verstoßen habe. Christoph von Marschall

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