Politik : USA: Nordkorea will sein Atomprogramm aussetzen

Washington erklärt sich im Gegenzug zu Lebensmittellieferungen bereit – und sieht bei der neuen Führung in Pjöngjang bisher keine Zeichen für Instabilität.

An der Seite der Armee. Der neue Staatschef Kim Jong Un besucht eine Militäreinheit. Foto: KCNA/AFP
An der Seite der Armee. Der neue Staatschef Kim Jong Un besucht eine Militäreinheit. Foto: KCNA/AFPFoto: AFP

Washington - Nordkorea hat sich nach Angaben der US-Regierung zu einem Moratorium bei der Urananreicherung in seinem Atommeiler Yongbyon bereiterklärt. Außerdem wolle das kommunistische Land Starts weitreichender Raketen und Atomtests aussetzen, teilte Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Mittwoch nach Abschluss amerikanisch-nordkoreanischer Atomgespräche in Peking in einer schriftlichen Erklärung mit. Im Gegenzug soll Nordkorea offenbar Lebensmittel aus den USA erhalten.

Demnach hat Nordkorea auch einer Rückkehr von Inspekteuren der internationalen Atomenergiebehörde IAEO zugestimmt. Sie sollen laut Nuland das Moratorium bei der Urananreicherung überwachen und die Abschaltung der Anlagen bestätigen. Pjöngjang habe sich zu den Maßnahmen bereiterklärt, um die Atmosphäre beim Dialog zu verbessern und zu zeigen, dass es einer Denuklearisierung verpflichtet sei.

Die USA hätten nach wie vor „tiefgreifende Bedenken“ bezüglich des nordkoreanischen Verhaltens in vielen Bereichen, hieß es in der Erklärung weiter. „Aber die heutige Ankündigung spiegelt wichtige – wenngleich begrenzte – Fortschritte dabei wider, einigen dieser Bedenken Rechnung zu tragen.“ Nuland teilte weiter mit, dass die USA nunmehr die geplante Lieferung von 240 000 Tonnen Nahrungsmitteln an Nordkorea in Angriff nehmen wollten. Einzelheiten dazu sollten bei einem Treffen mit nordkoreanischen Vertretern festgezurrt werden. Der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard, hatte am Dienstag vor einem Senats-Ausschuss erklärt, das US-Militär verfolge genauestens, ob es nach dem Tod von Staatschef Kim Jong Il im Dezember „Zeichen für Instabilität“ in dem stalinistisch regierten Land gebe. Es scheine aber so, als wolle sein Sohn Kim Jon Un als Nachfolger die Politik seines Vaters fortsetzen.

Dafür spreche auch, dass der neue Staatschef nach wie vor von Vertrauten seines Vaters umgeben sei. Nach einem Besuch in Nordkorea im vergangenen Jahr hatten fünf US-Hilfsorganisationen Washington eindringlich zu Hilfslieferungen aufgefordert.

Nach ihren Angaben war die Lebensmittelknappheit in dem Land so dramatisch, dass Menschen Gras essen würden. Die US-Regierung hatte Nordkorea im September nach Überschwemmungen Hilfslieferungen gesandt, schreckt aber grundsätzlich vor Nahrungsmittelhilfen zurück aus Sorge, diese könnten von der Regierung in Pjöngjang zu politischen Zwecken missbraucht werden.

Zu Wochenbeginn hatte Nordkorea mit wütenden Protesten auf den Beginn eines jährlichen Manövers der südkoreanischen Streitkräfte mit den USA reagiert. In einer Erklärung warf das Außenministerium in Pjöngjang den beiden Ländern am Montag vor, „die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und um diese herum jenseits einer Gefahrenlinie zu verschärfen“. Nordkorea sei „vollständig zum Dialog und Krieg bereit“. AFP/dpa

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