USA : Null Toleranz – New York ist das neue Vorbild für London

Der neue Bürgermeister gibt gleich den Aufräumer. Nur wenige Tage nach seiner Wahl zum Londoner Stadtoberhaupt hat der konservative Politiker Boris Johnson als erste Maßnahme ein vollständiges Alkoholverbot für Fahrgäste von Bussen und U-Bahnen verkündet.

Markus Hesselmann

London - Das klingt zunächst nicht gerade revolutionär. In Berlin zum Beispiel ist es grundsätzlich verboten, in der U- und S-Bahn sowie in Bussen zu essen oder zu trinken. Wer unter Alkoholeinfluss steht, darf nicht mitfahren. Inwieweit das dann umgesetzt wird, ist eine andere Frage. In der britischen Hauptstadt jedenfalls gibt es immer wieder Klagen über Betrunkene, die andere Fahrgäste belästigen.

Das Alkoholverbot, verbunden mit einer entsprechenden Plakatkampagne, ist deshalb vor allem ein erstes deutliches Signal. Ab sofort herrscht in London „zero tolerance“ (null Toleranz) auch für kleine Vergehen. Hinter dem Konzept steckt die Überzeugung, dass die Hinnahme kleinerer Vergehen ein Umfeld für weitere Gesetzesbrüche und dann auch schwerere Kriminalität schaffe. „Wenn wir die sogenannte Kleinkriminalität vertreiben, werden wir auch ernstere Verbrechen in den Griff bekommen. Daran glaube ich fest“, sagte Johnson, der den linken Labourpolitiker Ken Livingstone nach dessen achtjähriger Amtszeit in der Wahl am 1. Mai besiegt hatte.

Boris Johnson nimmt sich New York zum Vorbild. Obwohl umstritten ist, ob die Null-Toleranz-Politik des damaligen Bürgermeisters Rudolph Giuliani ausschlaggebend war für die sinkende Kriminalitätsrate der neunziger Jahre. Londons neuer Bürgermeister lässt sich jetzt von Bill Bratton beraten, Giulianis früherem New Yorker Polizeichef und späteren Polizeichef von Los Angeles.

Vor allem gegen Jugendgewalt will Johnson vorgehen. Zu diesem Zweck hat er Ray Lewis, einen schwarzen Sozialarbeiter und früheren Gefängnisangestellten, zum stellvertretenden Bürgermeister berufen. Lewis leitet eine Akademie im East End, mit der er Jugendlichen eine Perspektive jenseits der Kriminalität vermittelt. 27 junge Londoner starben 2007 als Folge von Jugendgewalt. In diesem Jahr sind es zwölf. Zuletzt wurde der 15-jährige Lyle Tulloch erstochen – wenige Stunden nach Johnsons Wahl zum Bürgermeister.Markus Hesselmann

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar