USA : Obama setzt auf Asien

US-Präsident Barack Obama beginnt an diesem Donnerstag die erste Asienreise eines amerikanischen Präsidenten, der als Kind auch in Asien lebte. Auf der neuntägigen Tour wird Obama Tokio, Singapur, Peking und Seoul besuchen.

Daniel Kestenholz

Bangkok - Dabei gilt die Antrittsreise des US-Präsidenten durch die dynamischste Region der Welt weniger als Freundschaftsbesuch, sondern als Rettungsmission. Asien ist aus einem halben Jahrhundert der Vormachtstellung Amerikas herausgewachsen. Nach den Wirren der von Amerika ausgelösten Kreditkrise, die sämtliche Exportwirtschaften Asiens traf, sucht der aufstrebende Kontinent erst recht nach neuer Eigenständigkeit.

Nur Tage nach der Amtseinsetzung von Japans neuem Premier Yukio Hatoyama sagte dieser ungerührt, dass Japan einen ostasiatischen Handelsblock mit dem Rivalen China anstrebe, von dem die USA ausgeschlossen seien – immerhin die alte Schutzmacht und der größte Exportmarkt der Japaner.

Obama steht vor einer wenig beneidenswerten Aufgabe. In Japan hat er Premier Hatoyama davon zu überzeugen, an US-Armeebasen auf Okinawa und der alten Militärallianz festzuhalten. Die Versorgungsmission im Indischen Ozean für Afghanistantruppen will Japan einstellen, doch wie um Amerika versöhnlich zu stimmen, hat Tokio kurz vor der Ankunft Obamas ein Entwicklungspaket über fünf Milliarden US-Dollar für Kabul beschlossen. Im Gegenzug wird Tokio allerdings seinerseits Entgegenkommen erwarten.

In Singapur nimmt Obama am Jahresgipfel des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsbundes Apec teil, dessen 21 Führer rund 40 Prozent der Weltbevölkerung und die Hälfte des globalen Handels repräsentieren. Einen Tag später reist er nach China weiter. In Peking ist Obama bei einer Führungsmacht der Zukunft zu Gast, die nicht nur in Asien eine Rolle zu übernehmen versucht, die in den Nachkriegsjahren den USA vorbehalten war. Chinas Einflussgebiet breitet sich über Afrika und Südamerika aus. Peking gewinnt an Statur.

Das Asien, das Obama bereist, ist nicht mehr das Asien im traditionellen Verständnis Amerikas. Nicht mehr Japan ist heute der wichtigste Partner, sondern, mit Blick auf den Handel und den gigantischen US-Schuldenberg, den China mit dem Besitz von US-Staatsanleihen kontrolliert, das Reich der Mitte.

Obama wird bemüht sein, den Kontinent der Treue Amerikas zu versichern. Mit einem neu aufgenommenen „pragmatischen Engagement“ mit dem Pariastaat Birma und einem Gesprächsangebot an Nordkorea hat Obama Zeichen der Annäherung und des Dialogs mit Nationen gesetzt, die sein Vorgänger erst als Schurkenstaaten abhakte, bevor auch George W. Bush einsehen musste, dass Ächtung politische Probleme nur verschärft. Die Anziehungskraft eines Rockstars wie in Europa hat Obama in Asien nicht. Er wird auch keinerlei neue Initiativen präsentieren. Doch nachdem Bush den Kontinent lange Jahre vernachlässigte, hat Obama in Asien Präsenz zu zeigen – nicht als Führungsmacht, sondern als Partner unter Gleichen. Daniel Kestenholz

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