USA : Raketenschild soll 2009 gebaut werden

Die USA wollen bereits im kommenden Jahr mit dem Bau ihrer Raketenabwehr in Europa beginnen. Die Verhandlungen mit Polen und Tschechien verliefen sehr gut, sagte Generalleutnant Henry Obering, Chef der US-Raketenabwehrbehörde.

Claudia von Salzen

Berlin - „Wenn wir zu einer Einigung kommen, gehen wir nächstes Jahr an die Arbeit.“ Die USA wollen bis 2013 ein Raketenabwehrsystem in Europa installieren, um einer möglichen Bedrohung vor allem aus dem Iran zu begegnen. Dafür sollen zehn Abfangraketen in Polen und eine Radarstation in Tschechien stationiert werden.

Derzeit werde noch an den letzten Formulierungen des Vertrages zwischen Washington und Prag gearbeitet, sagte Obering. Die Gespräche mit Polen waren dagegen nach dem Regierungswechsel in Warschau ins Stocken geraten. Polen verlangt mehr Gegenleistungen von den USA, beispielsweise Hilfe bei der Modernisierung seiner Luftabwehr. Obering betonte aber, auch mit Polen werde es „in naher Zukunft“ eine Einigung geben. In den Gesprächen mit Russland gab es dagegen bisher keine Fortschritte. Nachdem die Raketenabwehrpläne dort auf Widerstand gestoßen waren, hatten die Amerikaner Moskau eine weitreichende Zusammenarbeit angeboten. „Bisher haben wir keine positive Antwort erhalten“, sagte Obering. Der Raketenschutzschirm wende sich nicht gegen eine Bedrohung aus Russland. Um die Russen von der amerikanischen Bedrohungsanalyse zu überzeugen, gaben die US-Militärs Aufklärungsmaterial an ihre russischen Kollegen weiter: „Wir waren so offen, wie wir können, und haben mehr Geheimdienstdaten gezeigt als jemals zuvor.“ Obering betonte, dass vom Iran eine Gefahr ausgehe, der man frühzeitig begegnen müsse. Man dürfe nicht warten, bis der Iran Interkontinentalraketen teste.

Die Nato muss nun entscheiden, ob sie das US-System so ergänzen will, dass das gesamte Bündnisgebiet abgedeckt wird. Griechenland, Bulgarien, Rumänien und die Türkei werden nicht durch die US-Raketenabwehr geschützt. Nach massiver Kritik aus einigen Nato-Staaten an den bilateralen Verhandlungen mit Prag und Warschau bemühen sich die Amerikaner um eine Integration ihres Systems in die Nato-Architektur. Claudia von Salzen

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