Politik : USA schieben Journalist aus Guantánamo ab

Christoph von Marschall

Washington - Nach sechs Jahren Haft in Guantánamo hat das Pentagon Sami al Hadsch freigelassen und in seine Heimat Sudan gebracht. Der Kameramann des arabischen Senders Al Dschasira war nach Angaben der „New York Times“ der einzige Journalist in dem Lager für Terrorverdächtige auf dem US-Militärstützpunkt auf Kuba.

Die Militärjustiz warf Hadsch vor, er sei Al-Qaida-Mitglied und habe zudem Geld für islamistische Rebellen in Tschetschenien beschafft. Die pakistanische Armee hatte ihn kurz nach Beginn des Afghanistankriegs im Dezember 2001 im Grenzgebiet zu Afghanistan festgenommen, das damals als Sammelraum ausländischer Kämpfer von Al Qaida und der Taliban galt, und an die USA übergeben. Anklage wurde nicht gegen ihn erhoben, betont sein Anwalt Zachary Katznelson.

Die „New York Times“ merkt selbstkritisch an, der Fall Hadsch hätte viel früher die Aufmerksamkeit amerikanischer Medien verdient. Dies sei auch deshalb unterblieben, weil das Pentagon die dürftige Beweislage gegen ihn geheim gehalten habe. Al Dschasira hatte immer wieder über den 38-Jährigen und seinen Hungerstreik berichtet. Joel Simon, Direktor des Komitees zum Schutz von Journalisten, sagte der „New York Times“, er beobachte einen „verstörenden Trend“ beim US-Militär, Journalisten über längere Zeit gefangen zu nehmen. Er habe elf Fälle seit 2001 dokumentiert.

Hadsch sagt, er sei festgehalten worden, weil er über Menschenrechtsverletzungen der US-Armee in Afghanistan berichten wollte. In Guantánamo habe man ihn nicht entsprechend den muslimischen Regeln beten lassen und ihn zweimal täglich mit einem Schlauch durch die Nase zwangsernährt. Anwalt Katznelson beschrieb Hadschs Zustand bei der Ankunft in Somalia als ausgemergelt; er habe Probleme mit Leber und Nieren. Das US-Militär sagt, es habe Hadsch human behandelt.

Mit Hadsch wurden acht weitere Guantánamo-Insassen in ihre Heimat abgeschoben, fünf davon nach Afghanistan, zwei nach Somalia und einer nach Marokko. Ihre Identität gab das Pentagon nicht bekannt. Derzeit befinden sich noch etwa 270 Gefangene in dem US-Lager für Terrorverdächtige. Das sind halb so viele wie noch im Jahr 2005. Christoph von Marschall

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