Politik : USA: Sondereinheiten in Afghanistan

Washington / Islamabad (dpa/AP).

Washington / Islamabad (dpa/AP). Knapp zwei Wochen nach Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan haben die USA erstmals den Einsatz von Spezialeinheiten am Boden bestätigt. Es handele sich dabei um eine sehr frühe Phase einer größeren Operation und um eine sehr kleine Anzahl von Elitesoldaten, zitierten US-Medien am Freitag einen hohen Pentagon-Beamten. Die Bombardierungen von Zielen in Afghanistan gingen indes unvermindert weiter. Das Taliban-Regime stellte eine "Lösung des Problems" in Aussicht. Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN sind die Spezialeinheiten bereits seit einigen Tagen in Afghanistan im Einsatz.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Wie die "Washington Post" berichtete, seien es jedoch "nur eine Hand voll" Soldaten, was keinesfalls mit dem Aufmarsch am Golf 1991 zu vergleichen sei. Sie operierten im Süden Afghanistans und sollten Bemühungen des Geheimdienstes CIA unterstützen, einen Keil zwischen die Taliban und die Führer der Volksgruppe der Paschtunen zu treiben sowie die Paschtunen zum Überlaufen zu bewegen. Dazu sollen auch von US-Flugzeugen über Afghanistan übertragene Radioprogramme sorgen. Darin werden Taliban-Kämpfer aufgefordert, sich zu ergeben. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuvor indirekt den Einsatz von Soldaten im Land angedeutet: Flugzeuge "können nicht am Boden herumkriechen und Leute aufspüren".

Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, sagte in Quetta, die Miliz-Führung habe eine Woche lang über eine "Lösung des Problems" beraten. Unklar blieb, ob er sich mit seiner Äußerung auf die seit fast zwei Wochen andauernde Militäroperation der USA und Großbritanniens in Afghanistan bezog oder auf das Schicksal des Terroristenführers Osama bin Laden und seines Netzwerks Al Qaida. Bin Laden wird von den USA für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich gemacht.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping lehnte es erneut ab, Einzelheiten eines möglichen deutschen Militäreinsatzes zur Unterstützung der USA im Kampf gegen den Terror zu nennen. In einem Interview des Fernsehsenders Phoenix sagte Scharping, die Regierung wisse mehr, als sie im Interesse der Sache öffentlich sagen dürfe.

Bundeskanzler Schröder traf sich vor dem EU-Gipfeltreffen in Gent zu einer Unterredung mit den Premierministern von Frankreich und Großbritannien, Lionel Jospin und Tony Blair, sowie dem französischen Präsidenten Jacques Chirac. Dem Vernehmen nach sollte dabei auch über die von den drei Ländern angebotene militärische Unterstützung für den Kampf gegen den Terrorismus gesprochen werden. Die EU schlägt unterdessen gegenüber der Taliban-Herrschaft in Afghanistan immer deutlichere Töne an. In dem Entwurf für eine Erklärung des EU-Gipfels in Gent hieß es, die Beseitigung des Taliban-Regimes sei ein berechtigtes Ziel der Kampagne gegen den Terrorismus.

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