Politik : USA sprechen vom Ende des Drohnenkriegs Amerikanischer Außenminister besucht Pakistan

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Neu-Delhi - Kaum etwas hat die Pakistaner so gegen Washington aufgebracht wie die US-Drohnenangriffe, bei denen seit 2004 mindestens 3500 Menschen starben. Nun hat US-Außenminister John Kerry erstmals ein Ende der Bombardements in Aussicht gestellt. Die Drohnenanschläge würden „sehr, sehr bald“ aufhören, versprach er bei seinem ersten Besuch nach dem Regierungswechsel in Islamabad. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Kerry. „Das Programm wird enden, weil wir die größte Bedrohung ausgeschaltet haben und weiter dabei sind, sie auszuschalten.“ US-Präsident Barack Obama habe bereits einen Zeitplan für die Beendigung des Drohnenprogramms. Wie dieser konkret aussieht, behielt Kerry jedoch für sich.

Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiger US-Vertreter ein völliges Ende der tödlichen Angriffe durch die unbemannten, ferngelenkten Flugkörper andeutete. Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch: Vorerst werden die USA weiterbomben. So sah es auch der Analyst Michael Kugelman vom Woodrow Wilson International Center. Er rechne frühestens 2014 mit einem Ende der Angriffe, wenn die USA aus Afghanistan abzögen, zitierte die Agentur Reuters ihn.

Mit seinen Aussagen will Kerry offenbar die Gemüter besänftigen und das seit langem angespannte Verhältnis zu Islamabad wieder verbessern. Im Gegenzug ging auch Pakistans neuer Regierungschef Nawaz Sharif auf die USA zu. Kerry und Sharif kamen überein, die hochrangigen Sicherheitsgespräche zwischen den USA und Pakistan wiederaufzunehmen.

Islamabad hatte diese hochkarätige Runde 2011 suspendiert, nachdem die USA 24 pakistanische Soldaten an der Grenze zu Afghanistan getötet hatten. Am stärksten betroffen von den Drohnenbombardements ist die Region Nord-Wasiristan, die als Hochburg von Taliban und Al Qaida gilt. Ein pakistanisches Gericht hatte die Angriffe jüngst als Kriegsverbrechen verurteilt und Islamabad aufgefordert, seine Bewohner davor zu schützen. Zudem ist die Wirksamkeit umstritten. Die US-Drohnen zielen zwar auf Militante, töten aber auch immer wieder Unschuldige.

Laut einigen Studien waren nur die wenigsten Opfer tatsächlich hochkarätige Terror-Führer, die meisten Toten zählten eher zum Fußvolk oder waren schlicht Zivilisten, darunter auch Kinder und Frauen. Begonnen hatten die Angriffe bereits 2004 unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush, doch erst unter Barack Obama wurden sie massiv ausgeweitet. Inzwischen haben die USA die Attacken aus der Luft jedoch zurückgefahren. Nach Angaben des US-Thinktanks New America Foundation gab es in diesem Jahr bislang 16 Drohnenangriffe in Pakistan. 2010 lag die Zahl noch bei 122, 2011 bei 73 und im vergangenen Jahr bei 48 Attacken.Christine Möllhoff

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