Politik : USA stehen noch zu Musharraf

Christine Möllhoff (mit AFP/dpa)

Islamabad - Vergebens hat US-Vizeaußenminister John Negroponte versucht, den Bruch zwischen General Pervez Musharraf und Oppositionsführerin Benazir Bhutto zu kitten und so den von den USA eingefädelten Machtpakt zu retten. Damit droht ein Duell, das Pakistan weiter polarisieren könnte. Bhutto legte dem Militär nahe, von Musharraf abzurücken. Umgekehrt versucht Musharraf offenbar, sie zurück ins Exil zu treiben – die Korruptionsanklagen gegen sie sollen doch nicht fallen gelassen werden.

Negroponte forderte Musharraf auf, den vor rund zwei Wochen verhängten Ausnahmezustand vor den Parlamentswahlen am 9. Januar aufzuheben. Musharraf ließ aber weiter offen, wann er den Notstand beendet. Trotz der Kritik scheinen die USA weiter an Musharraf festzuhalten. So ging Negroponte bei seiner Pressekonferenz auffällig sanft mit dem General ins Gericht. Die USA schätzten die Partnerschaft mit Pakistan „unter Führung von Präsident Musharraf“, betonte er. Er appellierte aber an den Militärherrscher, tausende Kritiker freizulassen – und mit Bhutto das Gespräch zu suchen. Beobachter halten den Bruch aber für nicht mehr überbrückbar. Damit scheint der von Negroponte mit eingefädelte Machtdeal faktisch gescheitert. Negroponte traf sich nicht persönlich mit Bhutto, obgleich sie angeblich in Islamabad war.

Tatsächlich entscheidet am Ende das Militär über Musharrafs Schicksal. Solange es hinter ihm steht, sitzt er fest im Sattel. Kündigt es ihm die Treue auf, müsste er gehen. Eine Rebellion gegen Musharraf könnte ausgelöst werden, wenn sich der Volkszorn gegen das Militär wendet oder die USA ihre Militärhilfe streichen. Negroponte gab keine klare Antwort auf Fragen nach einem Stopp der Militärhilfe. Bei der Sicherung der Atomwaffen haben die USA nach Informationen der „New York Times“ Pakistan mit fast 100 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) geholfen. Die entsprechenden Abschnitte im Etat seien geheim. Beunruhigt äußerte sich Negroponte über das Erstarken der Extremisten im Nordwesten Pakistans. „Die Situation im Swat-Tal erinnert uns daran, dass dieses Land gewalttätigen Extremisten gegenübersteht“, sagte er. Für das zu weiten Teilen von Islamisten kontrollierte Tal hatte die Armee am Samstag eine „Großoffensive“ angekündigt. Bei Gefechten zwischen Sunniten und Schiiten in der Region sind mindestens 70 Menschen getötet worden. Nach Angaben des pakistanischen Staatsfernsehens wurden an der Grenze zu Afghanistan 150 weitere Menschen verletzt. Christine Möllhoff (mit AFP/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar