Politik : USA und China: Im Konflikt mit Peking verschärft Washington den Ton

Ohne erkennbare Aussicht auf ein baldiges Ende des Flugzeugkonflikts zwischen den USA und China hat sich in Washington der Ton verschärft. "Jeder Tag, der vergeht, erhöht die Gefahr, dass unsere Beziehungen mit China Schaden nehmen", sagte US-Präsident George W. Bush am Montag. US-Diplomaten trafen erneut die 24 in China festgehaltenen Besatzungsmitglieder des US-Aufklärungsflugzeugs, das am 1. April vor Chinas Küste mit einem chinesischen Abfangjäger kollidiert war. Sie seien bei bester Gesundheit, hieß es.

Während US-Diplomaten in Peking und Hainan bei ihren Verhandlungen mit China um ein Ende des Konflikts von Fortschritt sprachen, mehrten sich in Washington Anzeichen für ein Ende der Geduld. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Kongress, Henry Hyde, bezeichnete die Amerikaner bereits als "Geiseln". Vizepräsident Richard Cheney distanzierte sich zwar von den Äußerungen, doch auch er wurde deutlicher als zuvor: "Jeder Tag, der vergeht, ohne dass dieses Problem gelöst ist, bringt die langfristigen Beziehungen in größere Gefahr." Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Kongresses, Richard Shelby, deutete an, dass die Senatoren vielleicht nicht gewillt seien, den normalen Handelsstatus für China zu erneuern. Nach Angaben von Außenminister Colin Powell dürfte die andauernde Krise auch die Ende April anstehende Entscheidung über eine Lieferung modernster Militärtechnik an Taiwan beeinflussen.

Die USA lehnen die von China geforderte offizielle Entschuldigung nach wie vor ab. Eine formelle Entschuldigung könnte eine Anklage des amerikanischen Piloten in China und Kompensationsforderungen nach sich ziehen, wird in Washington argumentiert. Dagegen sind die Chinesen überzeugt, dass das Spionageflugzeug den chinesischen Kampfjet durch ein abruptes Lenkmanöver zum Absturz brachte. Der Pilot wird seitdem vermisst.

Nach einem Zeitungsbericht aus Hongkong wollte ein chinesischer Kampfpilot die US-Maschine nach der Kollision abschießen. Er habe um die entsprechende Erlaubnis gebeten, nachdem er sah, dass sein Kollege Wang Wei, der mit dem Spionagejet zusammenstieß, abstürzte. Dies habe die Bodenkontrolle abgelehnt, berichtete die "China Morning Post" unter Berufung auf chinesische Quellen.

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