Politik : USA und China: Kleiner Kotau nach außen, starke Worte nach innen

Malte Lehming

Ganz ordentlich, aber nicht beeindruckend: So hat US-Präsident George W. Bush seine erste außenpolitische Probe bestanden. In dem zentralen Punkt hat er sich durchgesetzt: Amerika musste sich für das Flugzeugunglück nicht entschuldigen. Die Genugtuung darüber sollte allerdings nicht vergessen machen, dass Bush durch seine ersten schroffen Reaktionen die Chinesen auch provoziert hat. Auf keinen Fall dürfe das Spionageflugzeug angetastet werden, hieß es zu Beginn der Krise noch. Von dieser Position haben sich die USA schnell verabschieden müssen. Klug war es außerdem, Außenminister Colin Powell mit der Diplomatie zu betreuen und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen Maulkorb zu verpassen. Jeder Satz von einem Militär hätte in Peking doppelt scharf geklungen.

Wenn man dagegen bedenkt, dass es sich nach amerikanischer Lesart lediglich um einen Unfall handelte, überrascht der milde Ton. Demzufolge sind elf Tage lang 24 US-Soldaten ohne Berechtigung als Geiseln gehalten worden, bis Bush von den Chinesen weichgeklopft und zu einer Geste des Bedauerns gezwungen worden war. Diese Demütigung dürfte sein Bild von China nicht eben verbessert haben. Einen kleinen Kotau musste Bush machen. Interessant wird nun sein, welche Waffensysteme Amerika demnächst an Taiwan liefert.

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