Politik : USA und China: Um versöhnliche Töne bemüht

Harald Maass

Nach den Schuldzuweisungen der vergangenen Tage in der Flugzeug-Auseinandersetzung zwischen China und den USA hat sich am Donnerstag die Diplomatie durchgesetzt. Ein Pekinger Sprecher nannte Washingtons Bekundung des Bedauerns über das abgestürzte chinesische Flugzeug "einen Schritt in die richtige Richtung". China werde ein zweites Treffen der festgehaltenen 24 US-Soldaten mit US-Beamten erwägen. Peking verlange jedoch weiter eine formale Entschuldigung der USA.

US-Diplomaten hatten der chinesischen Regierung zuvor einen Brief übergeben, in dem US-Außenminister Colin Powell sein Bedauern über den vermutlichen Tod des chinesischen Piloten Wang Wei zum Ausdruck bringt. "Wir bedauern, dass das chinesische Flugzeug nicht sicher zum Boden kam und wir bedauern den Verlust des Lebens dieses chinesischen Piloten", erklärte Powell. Der Pilot war am Sonntag mit seiner Maschine mit einem amerikanischen Spionageflugzeug zusammengeprallt und wird seitdem vermisst. Die 24-köpfige Besatzung der US-Maschine wird nach einer Notlandung auf einem Militärflughafen im südchinesischen Hainan festgehalten.

Beide Seiten erklärten, weitere diplomatische Verhandlungen zur Beilegung der Krise führen zu wollen. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Sun Yuxi, erklärte, dass Peking weiter auf eine formale Entschuldigung bestehe. "Die USA haben einen Fehler begangen und müssen sich erst entschuldigen", sagte Sun. Washington müsse erst die "volle Verantwortung" übernehmen, ehe Peking einen weiteren Kontakt zur Besatzung des US-Flugzeuges erlaube. "Wenn die USA eine Haltung der Zusammenarbeit zeigen, werden wir die Vorbereitung für ein nächstes Treffen in Betracht ziehen", sagte Sun. Er ließ offen, wann China die US-Soldaten freigeben werde und ob gegen sie Anklage erhoben wird. "Die US-Crew hat internationale Gesetze gebrochen", erklärte Sun. Es sei deshalb "natürlich", dass sie von den chinesischen Behörden einer Befragung unterzogen werden.

Das chinesische Militär setzte die großangelegte Suchaktion im südchinesischen Meer nach dem Piloten fort. Staatschef Jiang Zemin, der zusammen mit dem Außenpolitikchef Qian Qichen seit Mittwoch zu Staatsbesuchen in Südamerika weilt, hatte die Suche nach dem 33-jährigen Kampflieger als "oberste Priorität" angeordnet. Chinas Staatsmedien porträtierten Wang Wei unterdessen dem Volk als Märtyrer und zeigten Fotos von ihm.

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