Politik : USA und Israel streiten über Iran-Politik Womöglich kein Treffen Obama–Netanjahu

Jerusalem/Washington - Das ohnehin als belastet geltende Verhältnis zwischen US-Präsident Barack Obama und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat offenkundig einen Tiefpunkt erreicht. Zum ersten Mal kommt es aller Voraussicht nach während eines Besuches von Netanjahu in den USA nicht zu einem Treffen mit Obama.

Die Schuld dafür schoben sich Washington und Jerusalem gegenseitig zu. „Wir haben um eine Begegnung am Rande der UN-Vollversammlung in New York gebeten und auch angeboten, dass der Ministerpräsident dafür nach Washington kommen könnte“, sagte ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter. Zuvor hatte das Weiße Haus mitgeteilt, dass es nie eine Bitte um ein Treffen von Netanjahu mit Obama gegeben habe. Somit sei ein Gespräch auch niemals abgelehnt worden. Ein Sprecher des US-Präsidenten hob hervor, dass Obama am 24. September in New York eintreffe und am nächsten Tag wahlkampfbedingt wieder abreise. Netanjahu komme aber erst später an.

Um Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen Obama und Netanjahu entgegenzutreten, wurde später bekannt gegeben, beide Politiker hätten während eines Telefonats ihre Einmütigkeit im Umgang mit dem iranischen Atomprogramm betont. In dem einstündigen Gespräch habe man sich gegenseitig eine enge Zusammenarbeit zugesichert.

Dennoch sprechen Beobachter von gravierenden Unstimmigkeiten zwischen Israel und der US-Regierung, wie man auf Teherans atomare Ambitionen reagieren sollte. Die Vereinigten Staaten setzen weiterhin auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. Israel wiederum fühlt sich unmittelbar bedroht und erwägt deshalb einen Angriff auf iranische Nuklearanlagen. Netanjahu hatte Washingtons Haltung am Dienstag scharf kritisiert. „Jene in der internationalen Gemeinschaft, die sich weigern, dem Iran rote Linien zu ziehen, haben kein moralisches Recht, Israel rotes Licht zu zeigen.“

Die USA und andere westliche Staaten haben derweil Russland und China dazu bewegen können, einer Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde zuzustimmen, in der die Haltung des Iran zu seinem Nuklearprogramm kritisiert wird. Laut diplomatischen Kreisen sei das auch geschehen, um Israel zu zeigen, dass es eine diplomatische Alternative zu einem Militärschlag gebe.dpa/Tsp

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