Politik : USA und Nordkorea reden in Berlin

Amerika hofft auf neues Sechser-Treffen im Januar

Ruth Ciesinger

Berlin - Die USA drängen darauf, noch im Januar eine neue Runde der Sechs-Nationen-Gespräche zu Nordkoreas Atomprogramm zu beginnen. Um diese vorzubereiten, führt der Vizeaußenminister für Ostasien, Christopher Hill, seit Dienstag in Berlin Gespräche mit seinem nordkoreanischen Kollegen Kim Kye Gwan. Es ist das erste bilaterale Treffen der beiden außerhalb Pekings, wo vor vier Wochen die ersten Sechser-Gespräche seit 13 Monaten stattfanden. Pjöngjang hatte die Verhandlungen Ende 2005 abgebrochen. Im Oktober 2006 testete Pjöngjang dann zum ersten Mal eine Atomwaffe.

Hill wollte sich am Mittwoch nicht zu konkreten Inhalten äußern, sprach aber von einer „nützlichen Debatte“. Er sei im Blick auf die EU- und G-8-Präsidentschaft zu Gesprächen mit dem Außenministerium in Berlin gewesen, ob Kims zeitgleicher Aufenthalt in Deutschland verabredet gewesen war, dazu schwieg Hill. Es sei wichtig, dass die nächste Runde der Sechser-Gespräche im Gegensatz zu der im Dezember ein Erfolg werde und man mit der Realisierung der „Gemeinsamen Übereinkunft“ vom September 2005 beginne. In dem „Joint Agreement“, das Nordkorea, die USA, China, Südkorea, Japan und Russland verabschiedet hatten, stimmt Pjöngjang unter anderem im Gegenzug für Energie- und Wirtschaftshilfe der prinzipiellen Aufgabe seines Atomprogramms zu.

„Hier gibt es eine Menge Aufholarbeit zu tun“, sagte Hill. Zwar sei für die USA ein nuklear bewaffnetes Nordkorea „schlicht und einfach nicht zu akzeptieren“, man habe aber keinerlei Intention, das Land anzugreifen. Im Gegenteil: „Die USA freuen sich auf eine gute Beziehung zu einem denuklearisierten Nordkorea.“

Während der Zeitpunkt für die nächsten Sechser-Gespräche auch von den chinesischen Gastgebern abhängt, steht schon fest, dass kommende Woche Vertreter des US-Finanzministeriums erneut mit nordkoreanischen Kollegen über Washingtons Finanzsanktionen gegen Pjöngjang verhandeln werden. Mit dem Vorwurf, das Geld stamme aus illegalen Transaktionen hatte im Herbst 2005 das Ministerium nordkoreanische Konten in Höhe von 24 Millionen Dollar bei der Banco Delta Asia in Macau einfrieren lassen – was zum Rückzug der Nordkoreaner aus den Sechs-Nationen-Gesprächen führte. Hill beharrte am Mittwoch zwar auf der Linie der US-Regierung, dass die Verhandlungen über das Atomprogramm nichts mit den Gesprächen über Finanzen zu tun hätten; doch da die Nordkoreaner das anders sehen, könnte Bewegung in diesem Punkt sich positiv auf neue Sechser-Gespräche auswirken. Hill will an diesem Donnerstag den dritten Tag in Folge mit Kim sprechen, um dann zu weiteren Treffen nach Seoul und Tokio zu fliegen.

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