Politik : USA verbieten Todesstrafe für Minderjährige

-

Das Urteil fiel knapp aus. Mit fünf zu vier Stimmen verbot der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am Dienstag die Hinrichtung von Verbrechern, die zur Tatzeit minderjährig waren. Diese Praxis verstoße gegen die Verfassung, hieß es. Sie sei besonders grausam und ungewöhnlich. Ein nationaler Konsens habe sich gegen die Exekution solcher Menschen entwickelt. „Unsere Gesellschaft meint, dass Jugendliche weniger schuldhaft sind als gewöhnliche Kriminelle.“ Rund 70 bereits zum Tode verurteilte Häftlinge, die ihre Straftaten mit 16 oder 17 begangen haben, müssen nun am Leben gelassen werden.

Gegner der Todesstrafe werteten das Urteil als wegweisend. Es ist bindend für alle 19 Bundesstaaten, die bislang die Hinrichtung von Tätern, die zur Tatzeit minderjährig waren, erlaubt hatten. In nur wenigen Ländern der Welt wurden jugendliche Straftäter in den vergangenen Jahren exekutiert. Der Gerichtshof habe der scharfen internationalen Kritik an der Todesstrafe für minderjährige Mörder Rechnung getragen, hieß es nun in der 25seitigen Urteilsbegründung. Bisher standen die USA in einer Reihe mit China, Pakistan, dem Kongo, Iran und Saudi-Arabien. Weltweit sollen im vergangenen Jahrzehnt rund 30 Menschen, die zur Tatzeit minderjährig waren, hingerichtet worden sein – davon mehr als die Hälfte in den Vereinigten Staaten und davon wiederum mehr als die Hälfte im Bundesstaat Texas, dem Heimatstaat des Präsidenten.

Das Urteil markiert den zweiten juristischen Triumph der Todesstrafengegner innerhalb der vergangenen drei Jahre. Bereits im Juni 2002 hatte der Supreme Court die Hinrichtung von geistig Behinderten für unzulässig erklärt. Im Jahre 1976 war die Todesstrafe in den USA wieder eingeführt worden. In 38 Bundesstaaten ist sie seitdem erlaubt. Mehr als 3400 Verurteilte warten derzeit auf ihre Exekution.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben