Politik : „USA verstoßen gegen Chemiewaffen-Konvention“

Deutsch-amerikanische Abrüstungsinitiative wirft Washington vor, den Einsatz von Giftstoffen für militärische Zwecke zu erforschen

Alexander Visser

Berlin. Die USA verletzen nach einer Untersuchung der Abrüstungsinitiative „Sunshine Project“ die internationale Chemiewaffen-Konvention von 1997. Diese verbietet die Erforschung und Produktion von Chemiewaffen.

Sunshine Project, über dessen Studie das ZDF am Dienstag berichtete, ist eine nicht-staatliche Initiative von Wissenschaftlern aus den USA und Deutschland. „Ich halte die Studie für seriös“, sagte Ottfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS) dem Tagesspiegel.

Das Sunshine Project beruft sich unter anderem auf eine Geheimstudie der Pennsylvania State University aus dem Jahr 2000. Darin untersuchten Forscher für das US-Militär, welche in der Medizin eingesetzten Stoffe sich auch als „nicht tödliche“ Chemiewaffen eignen. Die Militärwissenschaftler befanden 112 Giftstoffe als gut für den Chemiewaffeneinsatz geeignet. Als mögliche Folgen des Einsatzes dieser Mittel gab der Bericht unter anderem die Schwächung des zentralen Nerven- und des Atmungssystems sowie Bewusstseinsveränderungen an. Laut Sunshine Project rechnet auch das US-Militär mit Todesfällen beim Einsatz der angeblich nicht tödlichen Waffen: „98 Prozent werden kampfunfähig. Ein Prozent stirbt oder ist dauerhaft verletzt,“ zitierte das ZDF den Bericht der Militär-Wissenschaftler.

Wie gefährlich die angeblich nicht tödlichen Chemikalien sind, zeigte sich in Russland. Bei der gewaltsamen Beendigung des Moskauer Geiseldramas am 26. Oktober starben die meisten der 120 Opfer an dem von russischen Spezialkräften eingesetzten Gas.

Die Überwachungsorganisation der internationalen Chemiewaffen–Konvention in Den Haag hat sich nach Angaben eines Sprechers noch nicht mit dem amerikanischen Forschungsprogramm zu chemischen Waffen befasst. Wie der Sprecher sagte, hat die niederländische Regierung von Moskau inzwischen Informationen über das verwendete Gas gefordert.

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